über Freund

Freund stammt aus Schlesien, und da hat man es anscheinend nicht so mit der Religionsfreiheit. Andererseits hat das polnische Verständnis des praktizierten Christentums auch eine sehr... spezielle Logik, bei der sich viele Katholiken anderer Länder vermutlich die Haare raufen würden. Ich versuche mal in drei Sätzen zusammenzufassen, was ich bereits über die Subreligion "polnischer Katholizismus" gelernt habe:
Du solltest jeden Sonntag in die Kirche, was du dabei tust ist allerdings grundsätzlich dir überlassen, du darfst beispielsweise im Gottesdienst verkatert auf der Bank liegen, deinen Rausch ausschlafen und während der Predigt zwischenzeitig rauslaufen um dich vor dem Kirchenportal zu übergeben. Auf gar keinen Fall darfst du aus der Kirche austreten, selbst wenn du dennoch tief überzeugt vom christlichen Glauben bist und lediglich die Institution Kirche ablehnst (dann glaube lieber gar nichts, aber zahl deine Kirchensteuer). Trittst du aus, so wirst du automatisch in die Hölle kommen, deine Eltern haben mit ihrer Erziehung auf ganzer Linie versagt und du zeigst, dass du deine Familie nicht liebst.
Nun weiß ich nicht so ganz, was Freunds Eltern da glücklicherweise vergurkt haben, im Gegensatz zu seinem Bruder hat man ihn nämlich noch nie so recht mit Begeisterung in den Gottesdienst bekommen, und irgendwann um die Kommunion herum fiel ihm dann auf, dass er eigentlich irgendwie was anderes glaubt. Und dass ihm die Kirche als Institution net behagt. Und es doch eigentlich viel mehr Spaß macht, mit Schottenrock und Methorn auf einem Konzert von In Extremo herumzuhüpfen als auf nem Sonntag Morgen früh aufzustehen, um sich eine Predigt über die gesellschaftlichen Risiken von Mobiltelefonen anzuhören.

Mit 25 trat Freund dann kurzzeitig aus der Kirche aus und war damit für rund zwei Wochen exkommuniziert. Bei der Reaktion der Familie darauf hätte man meinen können, er sei mit einem Drogenkartell aufgeflogen und habe seine minderjährigen Cousinen zur Prostitution gezwungen. Da Freund alles andere als ein Revoluzzer ist, flitzte er also ganz schnell wieder zur Kirche und ließ sich von einem den Kopf schüttelnden Bischof wieder aufnehmen (dessen Kommentar dazu war nur: "Mir ist das völlig egal was Sie glauben, man legt ja eh alles aus wie man will. Unterschreiben Sie einfach hier."). Damit war dann wieder alles in Butter und der Familienfrieden so fix wieder da, wie er zuvor verschwunden war. Zumindest immer so lange, bis es wieder darum geht, dass Freund doch endlich mal wieder in die Kirche mitkommen soll.

Inzwischen hat Freund nicht nur eine Vorliebe für Trinkhörner und Mittelaltermusik, sondern würde gern nach Walhalla kommen und unter einem Dolmen begraben werden. Feri ist daran natürlich völlig unschuldig!!

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