Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahresrückblick 2015

Aloha,
in meinen alten Blogs (bevor ich mich nur noch auf den hier beschränkt habe), hab ich am Ende jedes Jahres einen kleinen Jahresrückblick gemacht, den ich hier gern weiterführen würde. Auch wenns vielleicht nicht ganz so "heidnisch" ist.


Das war toll:
- Ich hab über den Eldaring viele liebe Menschen kennengelernt und auch das erste Blót in Gesellschaft gefeiert!
- Auch wenn man sich über Kollegen aufregt und vieles im Projekt einfach vollkommen bekloppt läuft: das Promovieren macht Spaß. Ich kann arbeiten wo und wann ich will, und sofern ich es sinnvoll begründen kann, kann ich auch meine Forschung in selbst ausgesuchte Richtungen lenken. Außerdem gibts oft Dienstreisen!

Das war doof:
- kranke Oma & dem Nervenzusammenbruch immer näher kommende Mama... Selbst wenn man es überhaupt nicht mehr für möglich hält, kann sich alles immer noch ein ganzes Stück weiter verschlechtern
- zwei gute Freunde von uns sind in eine andere Stadt umgezogen
- extreme Trockenheit und Kartoffelkäfer auf dem Feld (ok, die Kartoffelkäfer fanden mich bestimmt auch ziemlich doof, denn ich hab sie und ihre Eier zerquetscht )

Das kam dazu: 
- 36 m² Acker
- blaue Flecken vom Poledance (inzwischen zum Glück deutlich weniger)
- ganz liebe Leute vom Eldaring-Stammtisch und das Ostara-Seminar
- Poledance-Stange im Wohnzimmer (sieht jetzt ein bisschen aus wie in der U-Bahn...)
- Geld... Ja wirklich. Nachdem ich jahrelang fast von Luft und Liebe leben musste, war ich direkt ein bisschen überfordert, dass ich jetzt plötzlich welches habe. Die Gewohnheit ist schlecht abzulegen, ich stand beim IKEA vor den leckeren Schoko-Haferkeksen und erwägte wie üblich, ob ich eine Packung mitnehme oder nicht, denn sie sind ja schon ziemlich "teuer" (3,99 für nen Schuhkarton). Bis mir auffiel dass ich ja jetzt deutlich mehr verdiene und direkt zwei Kartons genommen habe (hach ist das schön...).

Das gab es nicht mehr:
- Silat... nachdem mein Trainer erst lange Zeit Probleme mit verschiedensten Körperteilen hatte, ist er jetzt auf Weltreise aufgebrochen. Irgendwie verlief dann alles im Sande, aber mit Poledance, Yoga und Feld bin ich eigentlich auch gut ausgelastet.
- im Gegensatz zum letzten Jahr keine Erdbeben (zumindest keine, die mir aufgefallen wären)

Was ich gelernt hab:
- mein Krafttier ist ein weißes, flauschiges, dickes Kaninchen
- dass die Motivation der Umweltpolitik derzeit leider nicht ernsthaft die Verminderung von Umweltbelastungen ist, sondern auch wieder nur wirtschaftliches Interesse - bloß hübsch verpackt in schwammigen Wörtern
- wie man diverse Rüben und anderes vom Feld zubereitet und dass das Zeug aus eigenem Anbau unglaublich lecker ist

Was ich geschafft hab:
- dass der liebe James einige meiner Fotos in seinem Kessel-Magazin abdruckt
- aufm Kopp ohne Hände an einer Stange zu hängen 
- verschiedene Lost Places zu erkunden
- eine schamanische Rassel selbst zu bauen
- einäugig den Halloween-Kostümwettbewerb in der Disco mit dem absolut niedrigsten Niveau der Stadt zu gewinnen, plus ein Jahr freien Eintritt dort 

Reisen & Trips:
Neben einer unvergesslichen Reise nach Island noch die üblichen Verdächtigen Berlin & Bad Wildungen, außerdem kurze Reisen nach München, Zeitz, an die Externsteine und die Loreley, beruflich nach Osnabrück, Tutzing, Bad Pyrmont, Wien und Bratislava, Dortmund. Joah, dieses Jahr war ich unterwegs...

Grundnahrungsmittel:
Zeug vom Feld! Vor allem diverse Salate, Kartoffeln, Pastinaken, Rote Beete, Möhren, riesige Kürbisse, Kohl, Lauch und diverse andere... Insgesamt hab ich mich extrem gesund ernährt und über etwa zwei Monate mussten wir außer Brot und Frischkäse auch gar nix mehr einkaufen, weil das Feld genug für und beide plus hungernde Studenten-Freunde abgeworfen hat.

Im Gedächtnis bleibende Momente:
- Käferquetschen
- in einem verlassenen, zerfallenden alten Ballsaal in einem Lichtstrahl herumtanzender, goldener Staub, drum herum Stille, die alles verschluckt, und dann eine Melodie auf dem Klavier, das dort noch immer steht
- ganz viele wunderschöne Stellen von Island, und den Buckelwal-Buckel...  

Wünsche und Pläne für 2016:
- außer den notwendigen Dingen (Essen, mein bissel Kosmetikzeug, Geschenke) nix kaufen. Bin gespannt....
- den Hauptteil meiner Diss fertig bekommen
- mich nicht mehr über dumme Leute aufregen, sondern Agglomerationspunkte solcher Personen einfach meiden
 




Nicht vergessen, dass ihr heute Nacht keine Wäsche auf der Leine haben solltet: der mächtige Odin mit seiner furchteinflößenden Wilden Jagd verheddert sich sonst drin und wird sauer.
Ansonsten wünsch ich euch allen einen guten Rutsch und ein gesundes, beglückendes 2016!

 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Ein schönes Lied zwischendurch...

Aloha,
heute mal nur ein bisschen weltlicher Quatsch...  Ich bin ja seit einiger Zeit begeisterter Fan der Band OMNIA, vor allem von der CD Live on Earth. Inzwischen kann ich die praktisch auswendig, und nachdem ich es beim Mietwagen in Island hinbekam, meinen ipod anzustöpseln, kennt der gepeinigte Freund sie nun auch zur Genüge (Fazit: ich darfs nimmer spielen wenn er dabei ist, aber immerhin hab ich jetzt in meinem Kopf dauerhaft wunderschöne Isländische Landschaften mit den Liedern verknüpft!).

Darum mach ich jetzt hier auch ein wenig Werbung für diese PaganFolk-Band! Mein Lieblingslied ist Free, das in Deutschland auf dem youtube-Account von OMNIA leider von der GEMA gesperrt ist - hier könnt ihr es trotzdem hören!
Mein zweitliebstes Lied ist folgendes:


Sodele, ich hoffe ihr mögt die Musik... Wer noch einen lustigen Eindruck bekommen mag, wie die Band selbst so tickt, kann sich beim Video zu Earth Warrior mal direkt am Anfang die Warnung/Disclaimer durchlesen ...

Freitag, 27. November 2015

Deutschlands südlichste Menhiranlage - gleich bei mir um die Ecke! :O

Moin moin,
neulich stieß ich ganz zufällig darauf, dass gar nicht weit von unserem Feld eine Menhiranlage steht. Jawoll, eine echte (naja, gut, zwischenzeitlich von einem wütenden Bauern demolierte, nicht mehr ganz komplette, aber trotzdem) jungsteinzeitliche Menhiranlage direkt neben Darmstadt - die einzige dieser Art in Hessen und Süddeutschland (sonst gibts nur noch einzelne Steine)!
Heute wollte ich sowieso mal wieder aufs Feld, ein bisschen Salat und Petersilie besorgen und die letzten Pastinaken (siehe mein vorheriger Blogeintrag mit der Frage "Bis wann kann man eigentlich Erntedankfeste feiern?" - ich ernte immer noch!). Also bin ich ein Stück weiter geradelt und hab diese ominöse "Menhiranlage Hirtenwiese" gesucht. Das Wetter war ganz so, wie ich es liebe: kalt und neblig. Weil es nachts geschneit hatte, tropfte es um mich herum von den Bäumen.
 
Irgendwann trat ich aus dem Wald auf neblige Wiesen hinaus, und kurz darauf war die Menhiranlage auch schon ausgeschildert. Durch sie hindurch führt inzwischen ein Bach, in den doch tatsächlich gerade als ich vorbei kam ein Otter sprang und davonpaddelte (vermute ich zumindest, denn vom Biber angenagte Bäume konnte ich nirgends entdecken).
Der Weg zur Menhiranlage.
Bach und Brücke in der Anlage.
Ursprünglich floss der wohl etwas weiter entfernt, ebenso gab es früher auch den Wald noch nicht - erst in den 1920er Jahren wurde dieser angelegt, davor waren die Steine über eine weite Ebene gut sichtbar.
Es ist schon schade, was mit den Steinen passiert ist... Aufgestellt wurden sie irgendwann vor ca. 4.000 - 4.500 Jahren, vermutlich war es damals ein Steinkreis aus mindestens 14 Steinen. Von diesen sind heute gerade mal 7 übrig, die ein bisschen wie Kraut und Rüben stehen, jedenfalls nicht in einem Kreis.
Der größte Menhir.
Sechs der sieben (einer ist noch ganz links in Dunkelgrau),
der siebente befindet sich rechts auf der anderen Seite des Baches.
Wohin der Rest der Anlage verschwunden ist, weiß man nicht. Reinhard Möws schreibt auf seiner übrigens sehr empfehlenswerten Homepage über Großsteingräber und Megalithbauwerke, dass 1951 ein Bauer einen der Steine sprengte, der 34 m entfernt vom Bach auf der Wiese stand. Dass es sich dabei überhaupt um eine Menhiranlage handelt, wurde merkwürdigerweise erst 1967 festgestellt, also kann man es dem Bauern wohl nicht krumm nehmen. Auch nicht, dass man die meisten der verbliebenen Steine dann im Bach liegend vorfand...
In der Umgebung wurden bei Ausgrabungen übrigens Gegenstände aus Epochen von der Altsteinzeit (ca. 35.000 v.u.Z.) bis hin zur frühen Zeit der Kelten (vor 2.500 - 2.800 Jahren) gefunden.
Aussicht über die Wiese. Ein Kreis ist das wirklich nicht mehr, aber trotzdem hübsch.
Nunja, wir haben also eine Menhiranlage um die Ecke, die noch maximal die Hälfte ihrer Steine besitzt, von denen wohl keiner mehr weiß wo welcher mal stand, und durch die jetzt ein Bach fließt (in dem aber wenigstens Otter leben, oder irgendwas anderes braunes, dickes das schwimmen kann). Aber ich will nicht meckern - besser ein halber Steinkreis, der eher wie ne Schlangenlinie aussieht, als gar keiner. Und die Umbegung ist dort im Naturschutzgebiet wirklich unerwartet schön gewesen!

Mittwoch, 11. November 2015

Mein erster Blót in Gesellschaft :)

Moin ihr Lieben,
am Wochenende haben einige Leute von unserem und benachbarten Eldaring-Stammtischen ein kleines Winterblót im Odenwald gefeiert, über das ich euch heute berichten möchte. Vermutlich werdet ihr bekannte Elemente entdecken, auch wenn ihr von einem Asatru-Blót ansich noch nichts gehört habt.

Früher gab es Mitte/Ende Oktober ein Ernteblót, das Freyr gewidmet war und praktisch dem Samhain entsprach. Da wir dafür allerdings etwas spät dran waren und außer mir (die auf dem Feld immer noch fleißig diverse Rüben und Salat erntet) niemandem nach Ernte zumute war, feierten wir stattdessen die bald startende Wilde Jagd. Das ist ein Heer aus Seelen von Menschen, die vor ihrer Zeit gestorben sind, begleitet von Hunden und Pferden. Odin führt sie an, in manchen Gegenden ist auch die Percht oder Frau Holle dabei (die viel mehr kann als Betten ausschütteln, aber dazu vielleicht ein andermal mehr). Ursprünglich fand diese Wilde Jagd während der Rauhnächte statt, wurde aber durch das Aufkommen verschiedener christlicher Feiertage noch etwas ausgedehnt bzw. verteilt und jetzt, je nach Region, manchmal noch am Karfreitag erwartet oder bereits zu Sankt Martin am 11. November (also heute ). Manche meinen, dass der Laternenumzug zu Sankt Martin die nachgespielte Wilde Jagd ist.

Für mich persönlich ist die Wilde Jagd irgendwann um Jul, was ja auch die Zeit ist, zu der man das letzte Stück Ernte, also die "letzte Korngabe" auf dem Feld lassen sollte, damit Sleipnir sie knuspern kann. Würden die jetzt schon kommen, könnt ich ja die ganze Schwarzwurz, die Hälfte meiner Rettiche, zig Mairübchen und den Rosenkohl gar nicht mehr ernten! So gehts ja dann auch nicht! Was dieses Jahr noch dazu kam war, dass wir ein strahlendes Herbstwetter und 18° hatten, was nicht so wirklich das Gefühl aufbrachte als wenn Skaði gleich mit Frost und Schneechaos um die Ecke kommt. Wenigstens musste dann aber auch keiner beim Blót frieren.

Unser Blót-Altar mit Tyrs Speer und Handschuh, Räucherpott, Hammer, Opferbrot und -met, diversen Ahnenlichtern...
Hinten links in der Nacht verschwindet Jens, der ausgestopfte Rabe...
Bevor wir anfingen, wurde drei Mal ein Rufhorn geblasen und der Blótfrieden ausgerufen, da dieser auch das gesellige Beisammensein nach dem eigentlichen Ritual beinhaltet, also eigentlich das gesamte Treffen schützen soll. Außerdem liefen wir, begleitet von leisem Rasseln und Flöten, an den Rand unseres Blótplatzes und legten Eierlikör, Äpfel, Kürbiskerne usw. für das kleine Volk als Gastgeschenk ab. Schließlich traten wir alle nacheinander in den Kreis am Feuer ein, jeder einzeln begrüßt und beräuchert von der Torwächterin. Es folgten dann erstmal ein paar Erklärungen des Blót-Leiters, da es für einige von uns das erste Mal in Gemeinschaft oder auch überhaupt war, und eine schöne Erdung, begleitet von Trommelmusik.
Danach kam die Hammerhegung, also das Anrufen der Himmelsrichtungen mit dem Ritualhammer. Die Asen, Wanen, Elfen und Ahnen wurden eingeladen sowie nochmal einige Asen speziell wie z.B. Odin, da dieser ja für die Wilde Jagd zuständig ist. Jeder von uns hatte ein Ahnenlicht vor sich stehen, die alle an der Altarkerze entzündet wurden (einige Ahnen waren einem hohen Risiko ausgesetzt ausgeblasen zu werden, aber bis auf ein versehentlich umgeranntes Ahnenlicht lief alles gut).

Schließlich begann das Sumbel, der Umtrunk. Dabei wird ein Methorn drei Mal im Kreis herumgegeben. In der ersten Runde ruft jeder eine Gottheit an, kann dabei noch kurz erklären warum. Geschlossen wird mit "Heil [hier Gottheit der Wahl einfügen]", was von allen anderen im Kreis erwidert wird, und wahlweise trinkt man, schüttet etwas Met auf die Erde oder ins Feuer und gibt das Horn weiter.

Das Feuer, das im Laufe des Blóts ziemlich viel schluckte.
Schon frühzeitig vor dem Blót wurde mir ja verboten, Loki anzurufen, da er leider die Gemeinschaft immer irgendwie in zwei Lager teilt... Also wählte ich Freyja, die als Walküre ja auch zur Wilden Jagd passt. Was mich aber immens freute war, dass der letzten im Kreise einfach völlig wurst war, ob der Blót-Leiter bestimmte Anrufungen wollte oder nicht, und Loki mit einer sogar recht langen Rede anrief . Mehr oder weniger glücklich schallte dann das "Heil Loki" aus dem Kreise zurück, und Sumbelrunde 2 konnte beginnen. Diese ist für die Ahnen gedacht und wurde teilweise dann doch sehr emotional. Manch einer erzählte recht viel von bestimmten Ahnen, auf die er trank, andere wiederum dachten sich ihren Text und sagten am Ende nur das "Heil". Ich hab auf meine Uroma gesumbelt. Mir ist seit einigen Jahren bewusst, was für eine beachtenswerte Frau sie war, aber in diesem Moment kam nochmal hoch, was bei dem, was in unserer Familie so richtig, richtig im Argen lag und liegt damals durch sie eigentlich noch vergleichsweise "geradegebogen" wurde. Ahnen sind nicht immer leicht, und je mehr ich über die Geschichte meiner Familie lerne, desto schwerer tue ich mich mit einer bestimmten Person davon. Aber durch die Uroma wurde sicherlich ein noch viel größerer Schaden vermieden.
Frust, Kummer, Dankbarkeit und generelles Betretensein mischten sich etwas merkwürdig ineinander und erzeugten doch zumindest ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Kreis, wo sich teilweise noch ziemlich unbekannte Menschen einander öffneten. Da die meisten Asatru aber ziemliche Spaßvögel sind, dauerte es nicht mehr lange, bis wieder die ersten Lacher kamen... Sumbelrunde 3 jedenfalls bezieht sich auf allgemeines oder persönliche Sachen, was einem gerade in den Sinn kommt, was man sich vielleicht wünscht oder wofür man danken möchte. Viele von uns dankten für die tolle Gemeinschaft und das schöne Blót.

Zwischendrin wurde immer mal wieder gesungen, am Ende auch das "Herdfeuerlied", quasi die Hymne des Eldarings. Nach dem Sumbel wurde der Kreis aufgehoben und jeder bedankte sich bei jedem mit einem "tak for blót" und wir stellten die Ahnenkerzen auf den Altar. Danach gabs dann noch geselliges Zusammensein mit vielen leckeren mitgebrachten Speisen. Irgendwann bevor alle gingen wurde auch der Blótfrieden wieder aufgehoben.

Für den ersten Versuch einer "kultischen Handlung" gemeinsam mit anderen hat mir das Blót unglaublich gut gefallen, es war so inspirierend, verbindend, stärkend... Wir haben auch direkt einen Termin für das nächste Blót im Frühjahr ausgemacht.



Mittwoch, 21. Oktober 2015

Oh du wunderschöne Loreley...

Moin moin,

eigentlich wollte ich schon vor geraumer Zeit über einen Wochenendausflug bloggen. Als ich von Mai bis Juli diesen Jahres wegen Dienstreisen relativ häufig die wunderschöne Bahnstrecke am Rhein entlang fuhr, bei der man auch die Loreley sieht, hab ich mich ein bisschen in dieses Stück Flusstal verliebt... Die steilen, grünen Hänge, die wilden Kurven des Flusses, die Burgen, die hier und da am Berg kleben... Als Freund, ich und drei Kumpels nach einem spontanen Ziel für einen Campingausflug suchten, quetschten wir uns kurzentschlossen zusammen mit unserem Equipment ins Auto und fuhren zur Loreley.

Schon der Name des rund 130 m hohen Loreleyfelsens in einer engen Flusskurve ist wunderbar mystisch: "Ley" ist noch relativ sicher auf das keltische Wort für Schieferfelsen zurückzuführen, zum Rest des Namens gibt es mehrere Theorien. Die Loreley ist demnach entweder ein summender Fels (rheinisches "luren" = summen), ein Elfenfels (mittelhochdeutsches "lur" = Elfe), ein lauernder Fels (mittelhochdeutsches "luren" = lauern) oder ein schreiender Fels (mittelhochdeutsches "lorren/lurren" = schreien). Wie die Geschichte des Loreleyfelsens zeigt, passen alle Namen irgendwie...
Der summende Fels
Im Rheintal am Loreleyfelsen gibt es ein sehr starkes, siebenfaches Echo. Daher wurde früher das Rauschen des Rheins an den Klippen am Ufer mehrfach zurückgeworfen und erzeugte ein beständiges Rauschen und Murmeln. Es schien, als würden diese Geräusche aus dem Felsen selbst kommen. Da man es nicht anders erklären konnte ging man davon aus, dass Zwerge in Höhlen im Felsen hausten und wild durcheinander redeten.
 
Inzwischen ist das Rheinufer für die Schiffbarkeit verändert worden, so dass dieser Effekt kaum noch zu bemerken ist.

Blick von der Loreley ins Rheintal.

Statue der Loreley auf dem Felsen.
Der Elfenfels - Die Sagengestalt Loreley
Loreley ist auch der Name einer Zauberin, Nixe, Sirene oder Elfe, deren Geschichte viele verschiedene Versionen hat. "Erfunden" wurde sie vom Dichter Clemens Brentano 1801/02. In seiner Ballade ist Lore Ley eine schöne Frau, in die sich jeder Mann sofort verliebt und daraufhin blindlings in sein Verderben rennt - nur den einen Mann den sie selbst gern hätte bekommt sie nicht. Des Lebens müde möchte sie ins Kloster gehen, allerdings auf dem Weg dorthin noch einmal vom Loreleyfelsen aus das Schloss ihres Geliebten sehen. Da glaubt sie, diesen auf einem Boot auf dem Rhein zu sehen. Dabei beugt sie sich zu weit nach vorn und stürzt schließlich den Felsen hinunter.

In den folgenden Jahren wurde die Figur der Loreley von vielen Künstlern der Romantik aufgegriffen.
Sie wandelte sich schließlich zu einer Nixe bzw. Sirene, die durch ihren Gesang und ihre Schönheit die Seefahrer ablenkt, deren Schiffe dann vom Rhein verschlungen werden, und wurde zu einer der populärsten örtlichen Sagengestalten in Deutschland. Ihre Form als Sirene führt uns zum nächsten möglichen Namensursprung des Loreleyfelsens...

Der lauernde Fels
Der Rhein war schon zu Zeiten der alten Römer ein wichtiger und vielbefahrener Handelsweg - und die Gegend um die Loreley wird tatsächlich als gefährlichster Abschnitt davon angesehen. Ein ganz wundervoller Wasserbauprofessor hat damals in meinem Studium eine komplette Vorlesung dem Phänomen der Loreley gewidmet, um uns die Geschichte und den vermutlichen Hintergrund der Sirenen-Sage näherzubringen. Um es grob zusammenzufassen: der Rhein verengt sich an dieser Stelle sehr stark, wodurch er schnell wird. Außerdem gibt es durch die vielen Kurven, Kluften, Felsrippen und Sandbänke unvorhersehbare Strömungen und Strudel.

Es ertranken bei der Loreley so viele Seefahrer, dass sich im 6. Jahrhundert der Priester St. Goar auf der anderen Rheinseite niederließ, um Schiffbrüchige aus dem Wasser zu ziehen und zu pflegen. Die Stadt, die dort entstand, heißt heute Sankt Goar, und bis vor knapp 100 Jahren wurden vor dem Passieren der Loreley die Schiffsbesatzungen mit drei Glockenschlägen zu einem Gebet aufgefordert.

In den 1930er Jahren wurden schließlich die meisten Felsenrippen gesprengt, so dass die Loreleypassage bei weitem nicht mehr so gefährlich ist wie früher. Außerdem ist eine Fahrrinne vorgegeben. Dennoch passieren immer wieder Unfälle, vor allem bei ungewohnten Wasserständen. Erst im Januar 2011 kenterte ein Tankschiff, zwei Besatzungsmitglieder ertranken im eiskalten Wasser...
...und in unserem Fall: der schreiende Fels
Angetan von der mystischen und traurigen Geschichte wanderten wir in einer unglaublichen Hitze von der Loreley herunter, um die Burg Katz herum und mit einem etwas unfreiwilligen Umweg wieder zurück. Ob dies die Burg des Geliebten war, auf die Lore Ley in der Ballade noch einmal blicken wollte, bevor sie den Fels hinunterstürzte?

Abends bauten wir unsere Zelte auf dem Zeltplatz direkt auf dem Loreleyfelsen auf - und wurden mitten in der Nacht durch ein unglaublich heftiges Gewitter geweckt!

Die Burg Katz, flussabwärts der Loreley.
Thor zeigte so richtig, was er konnte, und durch das siebenfache Echo hallte jeder Donarsschlag mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke das Rheintal rauf und runter. Zumindest für zwei von uns war das nicht die erste derart intensive Begegnung mit Thors gewaltigen Kräften - im Odenwald semmelte der Gute ja schonmal für meinen Geschmack viel zu nah hinter uns einen Blitz in den Boden.

4 Ingenieure und ein Biologe waren sich jedenfalls schnell einig, dass man besser die Zelte sichern und sich in den nächsten Faradayschen Käfig, d.h. das Auto begeben sollte, zumal ein ziemlicher Sturm über den Felsen fegte, mit einem wunderbar heulenden Echo übrigens - der Fels schrie und brüllte! Irgendwie waren nicht alle so beglückt über dieses faszinierende Unwetter wie ich, aber ich hatte ja auch leicht reden, da Freund und ich auf den Vordersitzen gemütlich weiterschliefen, während die anderen wie die Hühner auf der Stange noch eine Stunde auf der Rückbank hockten bis das Unwetter vorbei war...

Zum Abschluss noch etwas unzusammenhängend ein lustiges Warnschild, das wir auf der Wanderung entdeckten:
Nur so, zu eurer Erheiterung ;)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Externsteine - ein modernes Heiligtum

Moin moin,

vor einigen Wochen war ich mit Freunden an den Externsteinen im Teutoburger Wald. In der spirituellen Szene sind "die Steine" ja recht beliebt und haben da auch eine gewisse Geschichte...

Externsteine, von "hinten" aus gesehen.
Ich war bereits 2003 zur Sommersonnenwende und 2005 am Wochenende vor der Wende schonmal da. Nun wurde es langsam wieder Zeit Damals hatte ich mit einer Freundin ziemlich unterschiedliche Erfahrungen gemacht: direkt zur Wende war das ganze eher wie ein Festival ohne Musik, will sagen dunkel gekleidete Betrunkene, Zelte, Müll. 2005 war es dann sehr leer, wir konnten viel mehr Atmosphäre genießen. Ein kleines Grüppchen bunt bemalter Leute trommelte und hüpfte mit uns um ihr Lagerfeuer, bis wir dann am Fuße eines Baumes auf der Wiese vor den Steinen einschliefen, mit Blick auf die Milchstraße und später den Sonnenaufgang (Zeltaufbau war dann inzwischen schon untersagt, da haben wir den Schlafsack eben einfach auf die Wiese gelegt).

Nach diesen 10 Jahren hab ich viel neues entdeckt, einiges anders gesehen. Jedenfalls haben wir diesmal viel auch um die Steine herum erkundet und uns vorher einige Infos aus dem Internet zusammengesammelt.
Geschichte vs. Urban Legends...
Dabei fiel uns auf, dass nur wenig wirklich belegte Information zu den Steinen, Höhlen, archäologischen Funden und Plätzen in der Umgebung besteht - der absolute Großteil sind subjektive Erkenntnisse einzelner Personen (die das leider nicht immer als solche deklarieren) oder "Urban Legends", also ungesicherte Infos, die sich so lange weiter verbreiten, dass niemand mehr eine Quelle dafür angeben kann (und will). Und selbst in der wissenschafltichen Literatur sind viele Datierungen und Annahmen zur Funktion der gefundenen Objekte unsicher.

Höhlen in den Steinen.
Der "Wackelstein" - genauso wacklig
kam uns die Mythologie der Externsteine
irgendwann auch vor...
Dass die Externsteine tatsächlich ein "uraltes Heiligtum" waren, wird zwar oft behauptet, aber konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Es gibt archäologische Funde der Alt- und Mittelsteinzeit, die aber nicht auf eine Kultstätte schließen lassen. Dann gibt es für eine ganze Zeit erstmal gar keine Anhaltspunkte, bis schließlich für das Mittelalter eine kultische (christliche) Nutzung recht sicher angenommen werden kann.
 
Dieser Wikipedia-Artikel ist recht empfehlenswert für einen ersten Überblick darüber was es alles gibt und was man dazu bislang tatsächlich herausgefunden hat.
 
Na toll, und jetzt?
Die Frustration bei meinen Begleitern war erstmal groß - man hatte doch irgendwie den bedeutendsten ur-heidnischen Megakultplatz der Germanen und ihrer Urahnen bis vor mindestens drei Eiszeiten erwartet! Inklusive Instant-Göttererlebnis und so. Und dann erfährt man, dass bis auf die christlichen Mönche alles nur auf gelinde gesagt ziemlich wagen Spekulationen beruht und die Höhlensysteme lange Zeit nur ganz profan als Gefängnis genutzt wurden...
Wird Zeit, die Erwartungen hinter sich zu lassen und zu schauen, was man machen kann aus dem, was da ist.
Schauen wir mal, was es noch so gibt...
Also ließen wir die Haupt-Steine und die wilden Spekulationen darüber hinter uns und schauten uns die Umgebung an. Und die verzauberte uns dann doch wieder. Zunächst mit wunderschöner Natur und interessant gewachsenen Bäumen...
Schöne Tiere...
...und merkwürdige Bäume.
Der "Augenbaum", inzwischen leider gefällt...
...trotzdem faszinierend.
...dann begegneten uns immer wieder "Hinweise auf kultische Handlungen" unserer Zeit. An vielen Bäumen hingen Bändchen. Spiralen und andere Zeichen wurden in Felsen geritzt. In einem zugewucherten Tal wurden Labyrinthe und Steinkreise errichtet...
Bunte Bänder hängen immer wieder mal an Bäumen und Gebüschen.
Ich mag Spiralen!
Ein spiraliges Labyrinth.
Einer von recht vielen Steinkreisen.
Ein OM in der Nähe vom Felsengrab.
Letztenendes zählt doch, was die Externsteine heute sind...
...und das ist ein buntes, wunderschönes, vielseitiges, verteiltes Kuddelmuddel von ganz kleinen bis etwas größeren Kultplätzen, die von vielen, ganz individuellen Menschen gefunden, gestaltet oder weiterverändert wurden. Die jeder für sich anders interpretiert und nutzt, und die uns alle zusammenbringen.
 
Es war uns dann irgendwann doch ziemlich egal, was früher dort war oder nicht, ab wann man welche Götter verehrt hat oder ob überhaupt. Man muss diesem Ort nicht extra eine möglichst epische Vergangenheit andichten. Man kann auch einfach bewusst akzeptieren, dass nur wenig rekonstruiert werden kann, und stattdessen diese moderne Entwicklung beobachten und sich darüber freuen - ich hab jedenfalls lieber einen zwei Jahre alten, aber benutzten Steinkreis mit Erfahrungsberichten derer, die gerade darin getrommelt haben als falsche Informationen darüber, welche Riten angeblich schon vor 10.000 Jahren am Felsengrab vollzogen wurden...
So einen Steinkreis möcht ich mir auch mal bauen...

Montag, 28. September 2015

König Eckbert ist tot und ein riesiger Blutmond tut sich auf!

Aloha ihr Lieben,

vielleicht erinnert ihr euch, Freund und ich haben dieses Jahr ja ein Stück Feld gemietet (und einige Bräuche dazu ausprobiert, wie ich hier gebloggt hatte). Beginnend mit Lammas bzw. dem Schnitterfest um Anfang August bis Halloween/Samhain Ende Oktober ist nun quasi Hochsaision für Erntefeste.
Früher war ich etwas irritiert, dass man so lange/oft die Ernte feiert. Jetzt mit dem Feld seh ich das ein! Im August gab es fast jeden Tag Rüben, Gurken, Bohnen und Kartoffeln zu essen, den ganzen September haben wir wie bekloppt Tomaten, Kohl und Kürbis geerntet und verarbeitet und für Oktober stehen jetzt noch die letzten Kohlköppe, viel zu viel Lauch, immer noch Kürbis und der nächste Schub Bohnen an. Im Prinzip könnte man die Erntefeste auch noch durch ein Rübenfest im November und ein Salatblót von Juni bis Juli erweitern (da wussten wir echt nicht wohin mit dem Zeug und haben sämtliche Freunde damit durchgefüttert).
Zeug vom Feld.
Unser ganzer Stolz auf dem Feld, auf den wir auch oft angesprochen wurden, war König Eckbert, ein leuchtend oranger Kürbis. Irgendwo zwischen den Kartoffeln residierte auch noch Prinzessin Nimue, eher gelblich, die wir leider vorzeitig abernten mussten, weil sie nach einer sehr nassen Woche untenrum matschig wurde. Nimue hat damals zusammen mit ein paar Kartoffeln schon ca. 10 Liter Suppe ergeben und keine drei Wochen später saß schon eine Nimue II zwischen den Kartoffeln, fast genau so groß wieder.
Ein König wurde geopfert!
Beide Kürbispflanzen wurden von uns auch liebevoll regelmäßig mit abartig stinkender Brennesseljauche gedüngt. Während Nimue II derzeit noch versucht, ihren Machtbereich auf das (inzwischen bereits verlassene) Feldstück neben uns auszuweiten, ist König Eckbert am Wochenende abgedankt - die Pflanze hatte wirklich alle erdenkbare Energie in die einzige Frucht gepumpt. König Eckbert klang recht hohl, wenn man an ihm klopfte - eigentlich wollten wir ihn zu Halloween opfern, aber wir bekamen dann aufgrund der Mäuseansiedlung unterhalb der Pflanze doch etwas Panik und so wurde die Axt gezückt und mit einem Schlag der König von seinem Grünzeug getrennt! In der Schubkarre brachten wir ihn begleitet von ganz viel Hofstaat zum Auto - der Kofferraum senkte sich gleich merklich ab, kein Wunder, der König hatte ja auch einen Durchmesser von 45 cm!
Eine Waage haben wir nicht, aber ich bekam ihn ungefähr so weit angehoben wie Mjöllnir, also gar nicht - vermute er wiegt irgendwas über 30 kg.
Zuhause wurde König Eckbert brutal ausgeweidet. Es zog sich etwas hin, aber am Ende hatten wir aus ihm, mehreren Petersiliepflanzen, einem Haufen Mohrrüben und Kartoffeln etwa 21 Liter Suppe (12,5 davon eingeweckt, 3 im Bauch, den Rest im Kühlschrank). Und während Freund und ich so am kochen waren, beschwor unser Kumpel den Geist von König Eckbert, der von nun an auf unserem Balkon residiert und uns ins Fenster grinst - hoffentlich hält er sich lange.
König Eckberts Geist grinst dämonisch
auf unserem Balkon herum.
Geopfert haben wir ihn übrigens trotzdem zu einem recht passenden Zeitpunkt, denn es war gerade Erntemond - der Vollmond nach der Herbst-Tagundnachtgleiche. Er erhielt seinen Namen daher, dass früher eben (wie auch jetzt bei uns) zu dieser Zeit der größte Teil der Ernte eingeholt werden musste, bevor es für viele der Pflanzen zu kalt wurde. Manchmal ging es dabei um jede Stunde, so dass auch während des Vollmondlichts gearbeitet wurde (wir haben zwar nicht auf dem Feld geackert, aber ausgehöhlt, geschnippelt und gekocht...). Der Erntemond hat außerdem noch die Besonderheit, dass er über einige Tage lang fast zur gleichen Uhrzeit aufgeht und dabei, wenn er noch niedrig steht, rötlich wirkt. Der Erntemond dieses Jahr ist nochmal besonders speziell: wie ihr bestimmt mitbekommen habt, gab es heute Nacht eine Mondfinsternis, die den Mond rot färbte.
Merkwürdig leuchtender Blutmond.
Zu diesem Blutmond gibt es verschiedene Sagen - generell war es ein schlechtes Omen und kündete von Unheil und Veränderungen. In der germanischen Mythologie verfolgt der Wolf Hati, Sohn des Fenriswolfes, im Himmel den Wagen des Mondgottes Mani. Sein Zwillingsbruder Skalli verfolgt den Wagen der Sonnengöttin Sol. Somit werden beide Himmelskörper über den Himmel gejagt. Am Tag der Ragnarök, des Schicksals der Götter, werden die Wölfe sie erreichen und verschlingen und unsere Welt wird untergehen.
Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis glaubte man, dass einer der Wölfe den Himmelskörper erreicht habe und danach schnappte - entsprechend groß dürfte die Angst gewesen sein, dass der Weltuntergang unmittelbar bevor steht. Tatsächlich sah der Mond heute nacht irgendwie "angeknabbert" aus, als er sich vom Halbschatten der Erde in den Kernschatten schob. "Im Kernschatten" bedeutet, dass die Erde genau zwischen Mond und Sonne steht. Allerdings ist es dort nicht zappeduster, wie das Wort vermuten lässt, sondern Lichtstrahlen der Sonne "biegen" sich um die Erde und fallen daher dennoch auf den Mond - allerdings als langwellige Strahlung, und daher rot.
Mit etwas Gefummel hab ich davon ein halbwegs brauchbares Foto hinbekommen...

Samstag, 26. September 2015

Endometriose oder: warum ich bei gewissen "Mondblutblogs" die Krise kriege

Moin moin,

heute geht's mal um ein nicht so hübsches Thema, das mir aber leider grade in der spirituellen Szene immer wieder sehr aufstößt: die leidige Menstruation bzw. damit zusammenhängende Umstände (sorry an alle männlichen Leser).

Grade in der -ich nenns jetzt mal so- esoterischen Ecke findet man sehr oft Damen, die ihre Menstruation ausgiebig feiern, mit ihrem "Mondblut" Bilder malen oder ähnliches. Schön, kann ja jede machen wie sie mag. Wenn jemand ein nicht eingenistetes Ei und den damit einhergehenden Ausstoß von Gebährmutterschleimhaut als Sinnbild für Fruchtbarkeit ansieht und dies feiert, freu ich mich für sie.

Was mich tierisch nervt, ist aber folgendes:
Manche Menschen denken, dass sich jede Frau derartig über ihr Zyklusende freuen muss. Und wenn sie dies nicht tut, so hat sie zwangsläufig ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Weiblichkeit, was sich wiederum durch Regelschmerzen äußern kann. Kurzum: wenn du Schmerzen hast, bist du selber Schuld, weil du deine Weiblichkeit nicht akzeptierst/nicht mit der Göttin in dir vereint bist etc. blablubb.

Ich erzähl euch mal was: Es gibt da eine Krankheit, die nennt sich Endometriose. Sagt euch nix? Dann hier ein paar Informationen dazu:
  • Bis zu 12% aller Frauen erkranken irgendwann im Laufe ihres Lebens an Endometriose - bei den meisten wird dies nicht erkannt. Wenn doch, so vergehen im Schnitt rund 10 Jahre zwischen dem Auftreten der Symptome und der Diagnose.
  • Bei Endometriose handelt es sich um einen Tumor, genauer gesagt um "wild wachsendes" Gewebe, das an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten kann - meist im oder um den Uterus, aber auch woanders. Der Körper versucht, es abzustoßen, und so entstehen Entzündungen.
  • Die Symptome sind unter anderem Unfruchtbarkeit, Verwachsungen, Organprobleme, vor allem aber Schmerzen. Rund 95% der Endometriosepatientinnen haben sehr starke Schmerzen, und es wird davon ausgegangen, dass umgekehrt 40 - 60% der Frauen mit starken Regelschmerzen an Endometriose erkrankt sind. Diese Schmerzen werden von den Betroffenen auf der Schmerzskala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (man wird gnädigerweise ohnmächtig) meist zwischen 7 und 9 eingestuft (zum Vergleich: eine Geburt rangiert etwa bei 8). Einige Frauen haben diese Schmerzen nur während der Menstruation, andere hingegen schon, sobald sie sich körperlich anstrengen oder etwas Falsches essen.
  • Endometriose ist chronisch und nicht heilbar. Bei einigen Frauen kann Hormoneinnahme, z.B. durch bestimmte hormonelle Verhütungsmittel, die Endometriose "aussetzen", bei anderen funktioniert das nicht. Man kann Tumorherde herausoperieren, dies birgt aber die Gefahr, dass dieses Gewebe noch an andere Körperstellen "verschleppt" wird. In fast allen Fällen kehrt die Endometriose sowohl nach Absetzen der Hormone als auch nach einer OP nach einiger Zeit wieder zurück.
 
Ich habe Endometriose. Glücklicherweise habe ich die Schmerzen im Regelfall nur während der Menstruation, und inzwischen auch ein starkes Schmerzmittel, was das ganze erträglich macht, wenn ich es rechtzeitig schlucke (allerdings oberhalb der empfohlenen Dosis, obwohl ich wenig wiege - geht dann halt alles auf die Leber/Nieren). Wenn ich die Tabletten nicht rechtzeitig schlucke oder mich dabei zu viel bewege, stürzt der Schmerz schlagartig auf mich ein als würde mein Bauch explodieren, immer und immer wieder. Ich breche zusammen, übergebe mich, zittere, schwitze, friere, habe Durchfall. Nehme nur verschwommen wahr was um mich passiert und kann mich nur noch mit unartikulierten Lauten äußern, wenn überhaupt. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es mit letzter Kraft und unendlich viel Mühe, irgendetwas über mich zu ziehen, damit es nicht ganz so kalt ist, oder ein paar Zentimeter von meinem letzten Erbrochenen wegzukriechen. In der schlimmsten Phase sehe ich nichts mehr außer roten und gelben Farbflecken (keine Ahnung ob ich die Augen dabei auf oder zu habe). Manchmal habe ich mir sogar gedacht es wäre mir egal wenn ich jetzt sterbe, es soll nur einfach aufhören, meistens kann ich aber keinen zusammenhängenden Gedanken mehr fassen. Manchmal hämmert dann ein einzelnes, idiotisches und vollkommen zusammenhangloses Wort in meinem Schädel herum, immer wieder. Irgendwann kommt der Punkt, wo ich nicht mehr in meinem Körper zu stecken scheine - ich registriere den Schmerz, aber ich denke mir nichts mehr dabei, ich ertrage nicht mehr, sondern beobachte nur noch, teilnahmslos. Dann irgendwann schlafe ich ein, und alles wird endlich friedlich.

Später beim Aufwachen ist der Schmerz vorbei und ich bin unglaublich hungrig, habe aber überhaupt kein Zeitgefühl, wie lange das gedauert haben mag. Meine Mutter war einmal dabei, als mir sowas passiert ist, sie meinte es habe etwas über eine Stunde gedauert bis ich wohl eingeschlafen bin.

Also, liebe Mondblutfans: Bitte haltet euch mit Äußerungen wie "wenn du Schmerzen hast, dann hast du die Bindung zur Göttin in dir verloren" und ähnlichem zurück - wie oben schon geschrieben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Betroffene an Endometriose leidet, ziemlich hoch (und auch wenn es nicht die Endometriose ist, so gibt es noch mannigfaltige weitere mögliche körperliche Gründe). Je mehr soetwas auf die psychosomatische (oder eosterische) Schiene geschoben wird, desto größer wird die Problematik, dass Endometriose (oder eine Zyste, oder woran immer es liegt) nicht oder erst extrem spät erkannt wird und eine wirksame Schmerztherapie unnötig spät kommt. Zudem redet ihr der Betroffenen noch ein, sie sei an ihrer Krankheit selbst schuld, was schlicht nicht stimmt.

Aber ich hatte auch mal schlimme Schmerzen, und seit ich (...hier beliebiges einsetzen...) sind die weg!
Das ist schön für dich, heißt aber nicht zwangsläufig, dass das tatsächlich am (...hier beliebiges einsetzen...) lag oder gar bei anderen Menschen ebenso funktioniert. Im Laufe des Lebens ändern sich der Körper, das Schmerzempfinden und auch mögliche Ursachen von Schmerzen. Vielleicht war das bei dir eine Zyste, die irgendwann geplatzt ist, oder irgendwas anderes, das sich wieder zurückgebildet hat. Auch Endometriose-Herde können inaktiv werden - bei einigen "wandert" der Schmerz daher im Laufe der Zeit, wenn woanders neue Herde entstehen. Manchmal ist eine Weile gar kein aktiver Herd da, wenn man großes Glück hat, dann vielleicht sogar bis zu den Wechseljahren (die Hoffnung stirbt zuletzt).

Darf ich jetzt nie wieder über meine Mondblutbilder bloggen oder Atemübungen gegen Menstruationsschmerzen vorstellen?
Doch, natürlich. Solange keiner Frau der Eindruck vermittelt wird dass es psychische/spirituelle Gründe habe, wenn die Atemübung nicht funktioniert oder sie ihre Menstruation nicht fröhlich feiern möchte.


Anbei noch ein Link zu einem sehr guten Blog einer Endometriosepatientinendobay.de
Drüber schreiben/lesen mindert die Schmerzen oder sonstige Symptome nicht, aber es unterstützt psychisch, wenn man weiß, dass man nicht allein ist. Dass man nichts dafür kann. Dass man eine Kriegerin ist, dies jeden Monat (oder öfter!) auszuhalten.

PS: Ich brauche keine gut gemeinten Ratschläge, wie ich meine Schmerzen mit Edelsteinen, Tee, Atemübungen, Ritualen oder sonstwas lindern kann. Glaubt's mir, ich kann mit "normalem Schmerz" sehr gut umgehen und ich hab bezüglich der Endometrioseschmerzen so gut wie alles ausprobiert - man hat das ja nicht erst seit gestern. Ich bin unendlich dankbar dass es wenigstens ein Schmerzmittel gibt, welches bei mir wirkt, und ich dieses irgendwann gefunden habe (ansonsten verweigere ich Medikamenteneinnahme nämlich solange es geht).

Donnerstag, 24. September 2015

Island: Erfahrungen und Reisetipps

Aloha,
heute kommt mein vorerst letzter Blogeintrag zum Thema Island...
Es sind die kleinen Anekdoten und lustigen Sachen, die einem zwischendrin auffielen, und am ehesten das, was ich anderen, die nach Island fahren möchten, mit auf den Weg geben würde. Also:
1. Wohnen
Hotels oder gar Ferienhäuser sind in Island unglaublich teuer. Vor allem wenn man in der Hauptsaison, also Juni/Juli fliegt (genau wie wir übrigens - ging leider nicht anders). Günstiger sind Privatunterkünfte über z.B. airbnb. Die Gastgeber geben einem dort auch tolle Tipps und stehen im allgemeinen hilfreich zur Seite. Wir haben bislang fast nur gute Erfahrungen gemacht. Ausnahme war ein absolutes Loch in Reykjavík - aber es kostete nur 40 € pro Nacht und ausgehend von den Bewertungen wussten wir in etwa, was uns erwartet (bis auf die zerschlagene Fensterscheibe, die war neu...).
 
Aus unserem Fenster gegenüber von Akureyri.
2. Essen und Wasser
Auch Lebensmittel sind sehr teuer. Wenn es geht, sollte man sich Fertiggerichte mitbringen. Wir haben leider im allgemeinen Chaos der Vorbereitung nur Unmengen an Frühstückskeksen, Knabberkram und Brot und Nutella eingepackt, aber auch das erwies sich als gute Investition, um uns morgens und über den Tag zu ernähren. Abends haben wir dann in unserer jeweiligen airbnb-Unterkunft gekocht, meist Nudeln mit Tomatensauce, eingekauft bei "Bonus", dem isländischen Aldi (erkennbar am Sparschwein-Logo). Meeresfrüchte in Großmengen sind dort auch vergleichsweise günstig. Nach einer Woche Nudeln haben wir uns dann mal den Luxus gegönnt, in einem subway "Essen zu gehen". Zwei ganze Subs und ein Getränk kamen umgerechnet etwa 20 €. Döner in Reykjavík kostet rund 10 €, ein richtiges Restaurant pro Hauptgericht ab ca. 50 € aufwärts.
Wasser aus dem Hahn kann je nach Region kochendheiß sein oder extrem nach faulen Eiern riechen/schmecken. Beides ist völlig normal - daher Trinkwasser lieber auf Vorrat mitnehmen und beim Duschen vorsichtig die Temperatur antesten.
 
50 km Wellblechpiste - yäy.
3. Fahrbarer Untersatz und Straßen
Wer einigermaßen unabhängig etwas vom Land sehen will, sollte ein Auto mieten. Für ein Umfahren auf der fast durchgängig asphaltierten Ringstraße (Straße 1) reicht aber ein normaler PKW völlig aus - unserer packte auch gelegentliche Schotterpisten und Steigungen von 19% noch, wie sie manchmal bei Abzweigungen von der Ringstraße vorkommen. Diese sind im Uhrzeigersinn ausgehend von der Ringstraße übersichtlich durchnummeriert, häufig haben sie zusätzlich noch einen Namen, der drauf hinweist wo sie hinführen (z.B. Fossvegur = der Weg zum Foss).
Klar kann man auch einen Jeep mieten, denn auf Hochlandpisten ins Landesinnere darf man mit den normalen PKW nicht (und sollte es auch aus eigenem Interesse nicht tun). Aber schon der Standard-PKW ist ziemlich teuer. Eine Steinschlagversicherung ist zusätzlich sinnvoll, selbst wenn man keine Schotterpisten fährt. Uns hat nämlich schon am 3. Tag in Akureyri ein entgegenkommender Jeep einen Stein in die Scheibe geschleudert, der ihm offenbar irgendwo am Reifen klebte. Außerdem gibt es noch eine Zusatzversicherung gegen zerkratzten Lack durch Sandstürme - hielten wir für übertrieben, bis wir den Sturm am Skeiðarársandur mitbekommen haben, aber glücklicherweise ist nix passiert.
4. Bleib auf den Wegen!
Das gilt sowohl für Fußgänger als auch für Autos. Islands Landschaften sind alle relativ jung, dementsprechend ist auch der Boden eigentlich überall sehr dünn - wer darauf tritt oder gar fährt, kann den Boden und die Vegetation wieder für Jahrtausende(!) in der Entwicklung zurückwerfen. Entsprechend hoch sind übrigens die Strafen, wenn man mit seinem Jeep nicht auf der Piste bleibt oder ein "nicht betreten"-Schild ignoriert... Touris verstehen das oft nicht und treten auf Gras, Moos oder blanke Steine, um lustige Fotos zu machen.


Zaghafte Vegetation.
Bei Schwefelfeldern ist das auf-den-Wegen-bleiben schon schlicht aus Gründen des Überlebens anzuraten, aber selbst da gibt es Spezialisten, die 10 cm vom Rand des Blubberlochs einen Fußabdruck generieren...

5. Isländisch klingt lustig
Normalerweise lern ich gern ein paar Worte in der jeweiligen Landessprache, bevor ich irgendwo hin reise. Isländisch sieht erstmal mit ein bisschen gutem Willen aus wie ein rustikales altes Deutsch (z.B. Inngangur und Útgangur für Eingang und Ausgang). Aber spätestens die Aussprache bricht einem Ungeübten das Genick bzw. die Zunge. Eyjafjallajökull, der Gletscher über dem bekannten Vulkan, wird z.B. "Äija-fjatlar-jökütl" ausgesprochen. Aber Isländer freuen sich immer sehr, wenn jemand sich an ihrer Sprache versucht, und leisten unermüdlich Hilfestellung beim richtigen Aussprechen. Wenn gar nix klappt, kann man auch einfach Englisch reden - da ausländische Bücher und Filme normalerweise nicht übersetzt werden, weil sich das für grad mal 330.000 Isländer schlicht nicht lohnt, gibt es die in den Geschäften eben auf Englisch, was anscheinend jeder sehr gut beherrscht.

Abends, halb elf in Blönduos..
6. Sonne oder nicht Sonne...
Island berührt den Polarkreis - daher ist es dort nicht nur relativ kalt, auch die Sonne macht witzige Sachen. Im Winter kriecht sie am Horizont herum und gibt nur um die 4 Stunden Schummer-Licht pro Tag. Im Sommer dreht sie sich am Himmel praktisch nur im Kreis und geht nicht wirklich unter.
Das wirft den Tagesrhythmus erstmal aus der Bahn... Positiv ist, dass man die ganze Nacht über problemlos fotografieren kann, negativ natürlich, dass man bei Sonnenschein keine Polarlichter sieht...
7. Günstiges, Abzocke und nette Isländer
Auch zur Freizeitgestaltung im Urlaub kann man in Island ein Vermögen hinblättern. Erfreudlicherweise ist aber zumindest die Natur fast immer kostenlos: Solfatarenfelder, Dimmuborgir, Thingvellir, die Wasserfälle und eigentlich alles, was wir gesehen haben, kostete weder Eintritt noch Parkgebühr (was besonders erfreulich ist, wenn man es von Irland schon gewohnt war für jeden Erdhubbel 3 € pro Nase zu bezahlen). Bei vielen der kostenlosen Parkplätze gab es sogar kostenlose Toiletten (außer bei Thingvellir). Trotzdem stehen überall Campingtische und ausführlich und liebevoll gestaltete Infotafeln herum und Holzbohlen mit Geländer bieten sichere Wege.
 
Typisch für Island: Campingtische irgendwo im Nirgendwo...
 
Ansonsten gibt es z.B. folgende Touriangebote:
  • Phallusmuseum in Reykjavík (8 €, recht klein, aber wann bekommt man schonmal die Gelegenheit sich neben einem Pottwal-Schniepel zu fotografieren)
  • Tour im Schlauchboot auf dem Gletschersee Jökullsárlón (ca. 35 € für 30 - 45 Minuten)
  • Thermalbad "Blue Lagoon" (50 € - Alternative wenn man bis dahin kommt: "Mývatn Nature Bath", ist etwas kleiner, weniger überfüllt, hat praktisch das gleiche Wasser und kostet nur die Hälfte)
  • Gletscherwanderungen (ab ca. 60 €)
  • Whalewatching (von Húsavík aus ab ca. 65 €)
  • Reitausflüge (ca. 60 € für 2-3 Stunden)
  • Schnorcheln in der Sifra-Spalte (120 €), wer richtig tauchen möchte zahlt 280 €
  • falls jemand so richtig seinen Schotter loswerden will, gibt es Helikoptertouren über Krater und Gletscher zwischen 300 und 2200 € pro Person...
Wir haben das Whalewatching mitgemacht und zumindest ein Stück Rücken vom Buckelwal und diverse Delfine gesehen. Die 4 Stunden hätte man auch besser nutzen können, aber ist halt auch Glückssache. Zumindest gab es Kakao und Kekse auf der Rückfahrt und das kleine Holzfischerboot auf dem Ozean war ja für sich auch schon ein kleines Erlebnis (allerdings nix für Leute mit schwachem Magen). Durch das Unterstützen von Whalewatching hilft man übrigens auch, den Walfang zu bekämpfen - denn seit die Touris Geld fürs Beobachten einbringen, steigt das Interesse am Erhalt der Wale.

Isländer sind teilweise recht geschäftstüchtig... so hat ein Landwirt, dessen Hof unterhalb des Eyjafjallajökulls liegt, den Vulkanausbruch 2010 genutzt, um Fotos und Videoaufnahmen zu machen. Danach baute er einen Geräteschuppen nahe der Straße in ein "Visitorcenter" um. Herumliegende Asche wurde noch fix eingesammelt und in Gläschen gefüllt, die für 10 € das Stück verkauft werden...

Was man aber mal betonen muss: die Isländer waren eigentlich ausnahmslos nett, freundlich und hilfsbereit! Eines Nachts gegen ein Uhr strandeten wir auf einem Campingplatz und schliefen dort im Auto (hierzu angemerkt: sämtlicher Dreck und Müll scheint sich in Island auf die sanitären Einrichtungen der Campingplätze und unsere airbnb-Unterkunft in Reykjavík zu konzentrieren - sofern man diese Orte meidet, kann man also wunderbar gepflegte Städtchen und saubere Natur genießen). Am nächsten Morgen wollten wir weiterfahren und bezahlen, aber im Rezeptionshüttchen war niemand. Aufgrund des starken Sturms versuchten wir auch nicht, die Geldscheine irgendwie an die Tür zu klemmen oder so, sondern schrieben eine Mail mit Bitte um Bankdaten, damit wir das überweisen konnten (war glaube ich irgendwas um die 20 €). Am Abend erhielten wir die Antwort wir bräuchten nicht zahlen, das sei schon ok, man wünsche uns einen schönen Resturlaub und gutes Wetter.
Im Phallusmuseum wollte Freund gern zwei Postkarten kaufen und fragte nach dem Preis. Wir hatten unser Bargeld schon bis auf wenige Kronen ausgegeben und das Restgeld reichte gerade für eine Karte - man schenkte ihm die zweite und wünschte uns noch einen schönen Resturlaub und gutes Wetter.
Am Kerið stand eigentlich ein Hüttchen für Eintritt, da der Krater auf einem Privatgrundstück liegt (200 Kronen, also ca. 1,40 € bzw. soviel wie einmal strullern am Thingvellir oder heiß baden in einem kleinen privaten Hotpot in Húsavík). Als wir kamen und gerade nach unserem Geld griffen, schob der Isländer im Hüttchen sein Kassierfenster zu und winkte uns lächelnd durch...


So... das war es zum Thema Island. Für dieses Mal, zumindest, denn ich möchte unbedingt wieder hin... Ich kann mir kein schöneres, abwechslungsreicheres Land vorstellen. Die ganze Reise war ein absoluter Traum, von dem Moment als beim Anflug einzelne Bergspitzen durch die Wolkendecke brachen bis zu dem letzten Stück von Island, das ich sah - den Vatnajökull in einem Meer von Wolken. Dabei hab ich übrigens Valravn mit "Kraka" gehört, was irgendwie perfekt passte.
 
Ein letzter Blick, bevor das Land der Asen, Trolle und Elfen wieder in den Wolken verschwindet...
 ...beim Abflug gegen Mitternacht hatten wir übrigens seit 11 Tagen das erste mal wieder etwas, das halbwegs nach Sonnenuntergang aussah - bedingt durch die südliche Lage des Flughafens und die starke Bewölkung. Allerdings hielt dies nicht lange vor, da wir ja dem Tag entgegen flogen - die inzwischen doch ziemlich vermisste Nacht kam dann erst wieder am Abend in Deutschland.