Donnerstag, 28. Juli 2016

Das Leben hat mich kurz aus der Bahn geworfen...

Ihr Lieben,

ich habe mich eine ganze Weile nicht mehr gemeldet. Eigentlich war mein letzter Beitrag der vom Jahresrückblick 2015, denn die beiden die danach kamen hatte ich schon über die Feiertage vorbereitet bzw. waren ja nur ein paar Fotos aus dem Archiv.

Was soll ich sagen, 2015 war mein bestes Jahr bislang. Irgendwie hat alles geklappt, ich hab viele neue tolle Leute getroffen, konnte mir ein bisschen was ansparen, hatte einen wunderschönen Urlaub in Island mit Freund. Negativ war, was ich damals geschrieben habe: "kranke Oma & dem Nervenzusammenbruch immer näher kommende Mama... Selbst wenn man es überhaupt nicht mehr für möglich hält, kann sich alles immer noch ein ganzes Stück weiter verschlechtern" (man muss dazu sagen, dass das Verhältnis der beiden sehr schlecht war, grob zusammengefasst: die Oma hat meine Mama eigentlich nie geliebt, es aber hingekriegt sie zu ihrer hörigen Arbeitskraft zu machen). Das hab ich Silvester geschrieben, kurz nachdem ich von meinen Eltern zurückgekommen bin. Die Oma sah inzwischen aus wie ein Skelett mit Haut drüber, und meine Mama war wirklich richtig, richtig am Ende. Als ich mich von ihr verabschiedet habe hat sie geweint, weil die schöne Zeit mit mit wieder vorbei war und es ihr psychisch so geholfen hat, dass ich da war. Ich hab ihr gesagt sie soll nicht traurig sein, bald wird bestimmt alles besser. Übersetzt hieß das: Bald ist Oma tot. Dann bist du frei. Das wussten wir beide, aber keiner hat es so ausgesprochen.

Tja. Am Neujahrsabend habe ich meine Mama angerufen, sie hat sich gefreut dass ich trotz SMS mich extra nochmal melde, um ihr ein schönes neues Jahr zu wünschen. Bestimmt wird dieses Jahr alles besser, kann ja nur. Etwa viereinhalb Stunden später ist sie wegen einer Hirnblutung ins Koma gefallen und hat am nächsten Morgen gegen neun aufgehört zu atmen. Ich habe in der Nacht nichts mitbekommen und bin aufgewacht von einer Whatsappnachricht von meinem Pabba: "Mama ist gestorben."

Wie soll man auf sowas reagieren? Ich glaube, sowohl ich als auch mein Pabba und die Freundinnen meiner Mama waren die ersten Wochen einfach völlig im Schockzustand. Wie meine Oma reagiert hat weiß ich nicht. Als ich sie anrufen wollte hatte sie schon ein Beruhigungsmittel bekommen, schlief dann über 24 Stunden durch und starb einen Tag nach meiner Mama im Schlaf. Ging völlig unter.

Der letzte Sterbefall in unserer Familie ist schon ewig her, knapp 20 Jahre. Damals müsste ich so 12 oder 13 gewesen sein, es war der Lebensgefährte meiner Oma, den wir alle sehr mochten, aber eigentlich auch erst maximal 5 Jahre kannten. Er ist nach schwerer Krankheit gestorben, d.h. einerseits war man vorbereitet, andererseits empfand man es ja auch irgendwie als eine Erleichterung für ihn, dass er dann "gehen durfe". Obwohl ich eigentlich kein persönliches Problem mit dem Tod habe (ich meine immer, dem der tot ist dem ist es am egalsten, der merkt das ja eh nicht mehr) hatte ich also eigentlich überhaupt keine Ahnung davon, wie es tatsächlich ist, wenn man denn "trauert". Das Wort ansich ist schon irgendwie nicht treffend, bei mir war das eine Mischung aus  (chronologisch nach dem Auftreten geordnet):
  • Gefühl der Ohnmacht (Man muss doch irgendwas dagegen machen können! Egal was uns passiert, man kann heutzutage doch immer irgendwas machen. Am PC Mist gebaut -> rückgängig machen, pleite -> Kredit, unfruchtbar -> Adoption, ja sogar wenn ein Organ kaputt ist kann man es "einfach austauschen". Etwas mehr als die erste Woche bin ich total aufgekratzt durch die Wohnung getigert, weil mein Unterbewusstsein schrie "Irgendwas muss es geben! Du musst es finden!")
  • Verzweiflung (wenn man dem blöden Unterbewusstsein zurückschreien muss "Nein, kann ich nicht! Das geht nicht rückgängig!")
  • Wut (auf die Oma, die das Leben meiner Mama wirklich bis zum Schluss terrorisiert hat und dabei dann auch noch über 90 wurde)
  • Sorge (um meinen Pabba, der jetzt alleine in Berlin lebt, der ernährt sich doch jetzt nur noch von Fischbüchsen)
  • Gefühl der Einsamkeit (was mach ich denn jetzt, ich bin 31 und hab keine Mutter mehr -  nicht nur dass meine komplette Familie jetzt nur noch aus meinem Pabba besteht, meine Mama war immer der einzige Mensch, an den ich mich bei wirklich allem und immer wenden konnte. Sie kannte mich am besten, sie hat an einem einzigen Wort am Telefon gemerkt, wenn irgendwas nicht in Ordnung war, auch wenn ich versucht hab es zu vertuschen. Klar, Pabba und Freund sind auch für mich da - aber damit die merken dass es einem nicht gut geht muss man schon mit einem riesigen Schild und Megaphon auf sie zurennen)
  • evtl. eher zum Selbstschutz eingeredete Erleichterung (dass meine Mama bis auf Kopfschmerzen ein paar Tage davor keine Schmerzen hatte, dass es sie erwischt hat ohne dass sie es gemerkt hat... dass sie nicht alt und hilflos und voller Schmerzen wurde wie die Oma, das war ihre größte Angst)..
  • Dankbarkeit (so gnadenlos der Tod einem ein Loch ins Leben reißt, so zeigt er auch, wie besonders die Zeit ist, die man zusammen hatte, und wie schön es ist, dass man die anderen Leute noch hat. Sogar einfach dass man sich selbst hat.)
Vermutlich ist mindestens die Hälfte davon eigentlich irrelevant, hysterisch oder ungerecht, aber so sind Gefühle halt. Die kümmern sich nicht darum ob sie grade angebracht oder hilfreich sind. Die Wut schert sich einen Dreck um Pietät nur weil die Person auf die sie sich bezieht auch grade gestorben ist.

Jetzt sind fast 7 Monate vergangen. Die ersten zwei Monate waren am schlimmsten, auch wegen der Beerdigung und Mamas Geburtstag. Ende April kam dann nochmal eine schwere Zeit, weil ich da Geburtstag hatte. Kurz darauf war ich auf einem Seminar in Rügen und habe ein paar Tage für mich dran gehangen. Ganz alleine, am Meer. Danach hatte ich erstmals das Gefühl, dass ich es überstanden hätte, der Gefühlszustand schwankte so zwischen dem vorletzten und letzten Punkt. Fertig bin ich aber wohl noch lange nicht, wie ich letztes Wochenende bei einer Hochzeit feststellte. Mit ein bisschen Schnaps und einem zickigen Freund (hey, wegen dem Blödmann bin ich da überhaupt hingegangen! Er weiß wie furchtbar Hochzeiten für mich sind!) war ich da nämlich ganz schnell und brutal wieder zurück beim Punkt "Gefühl der Einsamkeit".

Dieses Jahr hab ich schon sehr viel dazugelernt. Die wichtigste Erkenntnis ist wohl, dass man schätzen sollte was man hat, und das nicht nur durch Abnicken wie bei einer Bauernweisheit, nein, wirklich ganz radikal! Der Mensch über dessen blöden Kommentar man sich grade tierisch ärgert könnte morgen tot sein (ja, inklusive meinem blöden Freund auf der Hochzeit - ich gebe zu, die Umsetzung dieser Erkenntnis ist zu solchen Zeitpunkten noch etwas schwierig ;) ).
Die neueste Erkenntnis ist (eigentlich, dass Bohnen aus der Schote pulen eine Arbeit für Idioten ist, wie ich heute Mittag festgestellt habe, aber die zählt jetzt nicht), dass ich mir weniger Sorgen drum machen sollte was andere denken oder erwarten. Hätte meine Mama öfter einfach nur getan was sie gewollt hätte anstatt sich nur nach anderen zu richten... Naja. Jedenfalls habe ich aus ihrem Leben geschlossen: Mag sein dass sich ab und an jemand ans Bein gepinkelt fühlt wenn du nicht nach seiner Pfeife tanzt, dann hast du halt einen Bekannten weniger. Aber wenn du dich für andere verbiegst, fällt das denen meist gar nicht auf - was du dir davon versprichst, nämlich Anerkennung oder Liebe, wirst du dadurch auch nicht bekommen, du machst dich nur selbst unglücklich.

So, hmm. Erst konnte ich meine Gedanken nicht ordnen, momentan liegt hier viel Arbeit an, noch vom Anfang des Jahres. Ich hoffe aber, dass ich demnächst wieder etwas mehr bloggen kann. Über Rügen möchte ich noch erzählen, nächste Woche fahren wir nach Schweden und Dänemark, da gibt es bestimmt auch viele Bloganlässe. Zwischendrin war ich noch in New York und im Herbst wollte ich eigentlich nochmal nach London (merkt man mir irgendwie an, dass ich mich krampfhaft abzulenken versuche?). Also, ich hab euch nicht vergessen. Ich war nur kurz aus der Bahn und bin jetzt hoffentlich langsam wieder drin.

Sonntag, 24. Januar 2016

Winterbäume

Moin moin,
heute mittag bin ich über eine Fotoblogaktion von Lotta liebt Blau gestoßen, es geht darin um Winterbäume. Der Winter kam in meiner Region dieses Jahr ja leider nicht so aus dem Knick. Obwohl es in den letzten Tagen wenigstens mal kalt wurde (dann aber richtig!) kam nur ein bisschen Schnee, der eigentlich auch sofort wieder weg war. Im Wald war um die Wintersonnenwende alles viel zu grün, trotzdem fehlt das Laub an den Bäumen, was dann insgesamt so aussah als wäre es Frühling und die Bäume wären über den Winter gestorben...

Also tröste ich mich gerade mit den wirklich wunderschönen Fotos, die in der Blogaktion schon verlinkt wurden, und krame selbst ein paar winterliche Bäume aus meinem Archiv für euch:
Letzten Winter auf dem Weg zur Arbeit...
Auf dem Feldberg im Taunus.
Letztes Jahr an einem superkalten Morgen am See.
Auf dem Altkönig im Taunus - der Schnee lag rund nen Meter hoch damals.
Ich wünsche euch allen einen schönen, winterlichen (und hoffentlich nicht nur matschig-kalten) Februar!

Freitag, 15. Januar 2016

Abgedrehte schamanische Reisen oder: wenn das Krafttier Paganfolk hört...

Aloha,
letztes Jahr auf der Ostara-Veranstaltung der Eldaringleute hab ich ja bei einer schamanischen Reise mein Krafttier gefunden. Nicht das, was ich erwartet hätte, aber wenn man es sich recht überlegt doch sehr passend: ein fluffeliges dickes Kaninchen.
Einige von uns waren damals etwas irritiert, was für merkwürdige Sachen man da sieht oder erlebt, und die liebe Ravena, die die Reise geleitet hat, hat uns erklärt, dass wilde Sachen, die absolut keinen Sinn machen und die man sich unmöglich ausgedacht haben könnte gerade der beste Anhaltspunkt dafür sind, dass man es tatsächlich richtig gemacht hat und die Reise nicht halbbewusst eingebildet war. Denn dann wäre ja etwas passiert, was man erwartet hätte.

Danach war ich noch drei oder vier mal bei dem Kaninchen, die Abgedrehtheit hielt sich noch in Grenzen (abgesehen von einer dreidimensionalen, sich ständig verändernden Weltkarte, Teekränzchen in Vanaheim und gelegentlichen Ausflügen ins Weltall...). Neulich aber hatte ich dann wirklich so einen "Was zur Hel..?"-Moment, den ich gern mit euch teile.

Hintergrund: seit einiger Zeit stehe ich vor einer Aufgabe, die erstmal ziemlich erschlagend wirkt und auf die ich eigentlich auch keine Lust habe. In einer früheren Reise zum Kaninchen stand diese Aufgabe in Form von einem riesigen Steinhaufen, über den man nicht mehr drüber gucken kann, mitten in meinem "Seelengarten". Na toll, jetzt verfolgt mich das sogar hier her. Aber das Kaninchen scheint praktisch veranlagt und meinte nur, ich soll genauer hinsehen - und ja, schön, alle Steine sind nur etwa faustgroß, man kann sie bewegen. Aber jeden einzeln. Für sich. Den ganzen verdammten Berg. Und was ich dann draus bauen soll, weiß ich auch noch nicht so ganz. Die Inspiration kommt dann wohl irgendwann beim Steinesortieren...

Im Dezember kam ich dann wieder. Mag sein dass es Einbildung war, aber der Haufen sah schon etwas kleiner aus, und davor lagen verschiedene Häufchen mit nach Farbe sortierten Steinen. Scheinbar hab ich also schonmal eine Struktur überlegt, die ersten Aufgaben gemeistert und Bausteine zurecht gelegt. Jetzt "nur noch" so weitermachen. Tja, da fing ich dann an zu maulen. Diese Arbeit ist so öde und langweilig, warum soll ich das überhaupt machen? Mir fehlt die Motivation und so weiter. Und dieser blöde Haufen, die ganze Aufgabe wird doch am Ende eh nix ausmachen und ist eigentlich auch gar nicht das, was ich in meinem Leben so vor habe (wenn man es ganz klischeehaft runterbrechen würde möchte ich einfach nur um Bäume tanzen, mein eigenes Essen anbauen, Schafe knuddeln und den Regenwald retten, oder die Wale, oder irgend sowas). Das Kaninchen, geduldig wie immer, meinte nur mal wieder "Schau genauer hin" und zeigte auf den dämlichen Haufen. Etwa auf Brusthöhe lag ein Stein, etwas größer und keilförmig, der nicht zu den anderen passte. "Das ist deine Motivation!" Aha. Dankeschön.

Dann sah ich aber, dass auf dem Stein eine Art rundes Ornament eingraviert war, das ich nicht ganz erkennen konnte. Es sah verschnörkelt aus, aber verschwamm immer wieder wenn man genau hinsehen wollte. Ich habs eine Weile lang versucht und dann wieder mein armes Kaninchen ratlos angeguckt (Krafttiere brauchen manchmal echt Nerven glaub ich...). Es meinte, es sei ganz einfach, denn ich kenne das Symbol schon. Also gut, nochmal draufgeguckt mit dem Gedanken "du musst es nur wiedererkennen", und *PLOPP*:  das Logo der Band OMNIA. Vollkommen bescheuert, was hat das auf einem Stein in meinem Seelengarten verloren? Ist das Kaninchen auch Fan der Band? Oder bilde ich mir das Symbol grade ein? Das Kaninchen fragte mich, was ich damit denn verbinden würde. Naja, ziemlich genau das, was ich in meinem Leben so vor hatte (siehe weiter oben). Und "Earth Warrior", obwohl es nicht mein Lieblingslied von der Band ist. Das Kaninchen stellt beruhigt fest, dass der Groschen endlich gefallen ist: "Genau - und wenn du einer sein willst, ist das deine Waffe!" Und wo ich so wieder auf den Stein blicke fällt mir auf, dass die Keilform grob an einen Dolch erinnert. Und ja, meine Aufgabe hat ~irgendwie~ mit Umweltschutz zu tun. Ist vielleicht einer von Millionen kleinen Schritten in Richtung einer besseren Welt. Nur hielt ich den Impact für so verschwindend gering, dachte es geht sowieso unter. Aber auch wenn ich nicht die ganze Schlacht gewinnen kann mit meinem Dolch, dann ist das trotzdem ein Teil vom Ganzen, den ich, und in dieser Form auch nur ich leisten kann.

Ja, und was mach ich jetzt mit dem OMNIA-Steinkeil-Dolch? Die ganze Zeit in der Hand halten will ich ihn ja nicht, wieder hinlegen ist auch blöd, da ist er im Weg. Als wär der ganze Besuch nicht schon irgendwie total abgedreht zückt das Kaninchen aus dem Nix ein Podest, auf dem man den Stein elegant präsentieren kann. Wir befestigen ihn in der passender Halterung und tanzen dann gemeinsam drum herum...


Tja, letztenendes war es dann doch so einfach... Man sieht anscheinend manchmal, auch bei schamanischen Reisen, den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil man vielleicht alles viel zu kompliziert oder opulent-mystisch erwartet. Dabei kann das Krafttier auch einfach ganz profane Alltagssymbole verwenden (würde mich interessieren, ob bei jemandem im Seelengarten schonmal eine McDoof-Filiale aufgemacht hat oder ähnliches...).

Wer selbst mal eine Schamanische Reise ausprobieren will und nicht die Möglichkeit hat, das mit einer erfahrenen Person zu machen, die die Meditation führt, dem kann ich zumindest zwei Bücher empfehlen, die ich mir im Nachgang meiner ersten Reise besorgt habe (nachdem ich eine Stunde den Sessel in unserer spirituellen Buchhandlung blockiert und wirklich jedes dort vorhandene Buch zu dem Thema durchgeblättert hab):
  • Sandra Ingerman: Die schamanische Reise: Ein spiritueller Weg zu sich selbst
    Obwohl es recht dünn ist mit sehr detaillierten Infos, auch für das generelle Drumherum. Hinweise was man versuchen kann, wenn irgendwas nicht klappt. Mit CD und für die erste Reise auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Stefan Limmer: Schamanische Seelenreisen
    Ebenfalls mit CD. Enthält viele Übungen, auch für den Alltag. Hinsichtlich Vorbereitung und Drumherum nicht ganz so ausführlich, dafür werden hier noch verschiedene Archetypen beschrieben, die man gemeinsam mit dem Krafttier besuchen kann, was ich vor allem für weitere Reisen hilfreich finde (auch wenn die natürlich bei jedem anders aussehen können - mein Schmied hat z.B. keinen Hammer, sondern ist eine webende alte Frau, das Prinzip ist aber das gleiche). Man bekommt Ideen, was man "drüben" so unternehmen kann bzw. bei welchen Situationen sich eine Reise anbietet. Außerdem erwähnenswert ist die wirklich superschöne Aufmachung des Buches.
Als Hintergrundtrommeln nutze ich übrigens inzwischen nicht mehr die geführten Stücke auf den CDs, sondern welche von James Vermonts toller Homepage Nebeltrommel.at. Für den Einstieg würde ich aber ein Stück mit Erklärung zumindest am Anfang und Ende empfehlen, dazu gibt es auf youtube auch verschiedene.
 
Und: Geduld mitbringen. Es ist zwar recht einfach, klappt aber trotzdem nicht immer sofort. Entspannen und irgendwann einfach nochmal versuchen.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahresrückblick 2015

Aloha,
in meinen alten Blogs (bevor ich mich nur noch auf den hier beschränkt habe), hab ich am Ende jedes Jahres einen kleinen Jahresrückblick gemacht, den ich hier gern weiterführen würde. Auch wenns vielleicht nicht ganz so "heidnisch" ist.


Das war toll:
- Ich hab über den Eldaring viele liebe Menschen kennengelernt und auch das erste Blót in Gesellschaft gefeiert!
- Auch wenn man sich über Kollegen aufregt und vieles im Projekt einfach vollkommen bekloppt läuft: das Promovieren macht Spaß. Ich kann arbeiten wo und wann ich will, und sofern ich es sinnvoll begründen kann, kann ich auch meine Forschung in selbst ausgesuchte Richtungen lenken. Außerdem gibts oft Dienstreisen!

Das war doof:
- kranke Oma & dem Nervenzusammenbruch immer näher kommende Mama... Selbst wenn man es überhaupt nicht mehr für möglich hält, kann sich alles immer noch ein ganzes Stück weiter verschlechtern
- zwei gute Freunde von uns sind in eine andere Stadt umgezogen
- extreme Trockenheit und Kartoffelkäfer auf dem Feld (ok, die Kartoffelkäfer fanden mich bestimmt auch ziemlich doof, denn ich hab sie und ihre Eier zerquetscht )

Das kam dazu: 
- 36 m² Acker
- blaue Flecken vom Poledance (inzwischen zum Glück deutlich weniger)
- ganz liebe Leute vom Eldaring-Stammtisch und das Ostara-Seminar
- Poledance-Stange im Wohnzimmer (sieht jetzt ein bisschen aus wie in der U-Bahn...)
- Geld... Ja wirklich. Nachdem ich jahrelang fast von Luft und Liebe leben musste, war ich direkt ein bisschen überfordert, dass ich jetzt plötzlich welches habe. Die Gewohnheit ist schlecht abzulegen, ich stand beim IKEA vor den leckeren Schoko-Haferkeksen und erwägte wie üblich, ob ich eine Packung mitnehme oder nicht, denn sie sind ja schon ziemlich "teuer" (3,99 für nen Schuhkarton). Bis mir auffiel dass ich ja jetzt deutlich mehr verdiene und direkt zwei Kartons genommen habe (hach ist das schön...).

Das gab es nicht mehr:
- Silat... nachdem mein Trainer erst lange Zeit Probleme mit verschiedensten Körperteilen hatte, ist er jetzt auf Weltreise aufgebrochen. Irgendwie verlief dann alles im Sande, aber mit Poledance, Yoga und Feld bin ich eigentlich auch gut ausgelastet.
- im Gegensatz zum letzten Jahr keine Erdbeben (zumindest keine, die mir aufgefallen wären)

Was ich gelernt hab:
- mein Krafttier ist ein weißes, flauschiges, dickes Kaninchen
- dass die Motivation der Umweltpolitik derzeit leider nicht ernsthaft die Verminderung von Umweltbelastungen ist, sondern auch wieder nur wirtschaftliches Interesse - bloß hübsch verpackt in schwammigen Wörtern
- wie man diverse Rüben und anderes vom Feld zubereitet und dass das Zeug aus eigenem Anbau unglaublich lecker ist

Was ich geschafft hab:
- dass der liebe James einige meiner Fotos in seinem Kessel-Magazin abdruckt
- aufm Kopp ohne Hände an einer Stange zu hängen 
- verschiedene Lost Places zu erkunden
- eine schamanische Rassel selbst zu bauen
- einäugig den Halloween-Kostümwettbewerb in der Disco mit dem absolut niedrigsten Niveau der Stadt zu gewinnen, plus ein Jahr freien Eintritt dort 

Reisen & Trips:
Neben einer unvergesslichen Reise nach Island noch die üblichen Verdächtigen Berlin & Bad Wildungen, außerdem kurze Reisen nach München, Zeitz, an die Externsteine und die Loreley, beruflich nach Osnabrück, Tutzing, Bad Pyrmont, Wien und Bratislava, Dortmund. Joah, dieses Jahr war ich unterwegs...

Grundnahrungsmittel:
Zeug vom Feld! Vor allem diverse Salate, Kartoffeln, Pastinaken, Rote Beete, Möhren, riesige Kürbisse, Kohl, Lauch und diverse andere... Insgesamt hab ich mich extrem gesund ernährt und über etwa zwei Monate mussten wir außer Brot und Frischkäse auch gar nix mehr einkaufen, weil das Feld genug für und beide plus hungernde Studenten-Freunde abgeworfen hat.

Im Gedächtnis bleibende Momente:
- Käferquetschen
- in einem verlassenen, zerfallenden alten Ballsaal in einem Lichtstrahl herumtanzender, goldener Staub, drum herum Stille, die alles verschluckt, und dann eine Melodie auf dem Klavier, das dort noch immer steht
- ganz viele wunderschöne Stellen von Island, und den Buckelwal-Buckel...  

Wünsche und Pläne für 2016:
- außer den notwendigen Dingen (Essen, mein bissel Kosmetikzeug, Geschenke) nix kaufen. Bin gespannt....
- den Hauptteil meiner Diss fertig bekommen
- mich nicht mehr über dumme Leute aufregen, sondern Agglomerationspunkte solcher Personen einfach meiden
 




Nicht vergessen, dass ihr heute Nacht keine Wäsche auf der Leine haben solltet: der mächtige Odin mit seiner furchteinflößenden Wilden Jagd verheddert sich sonst drin und wird sauer.
Ansonsten wünsch ich euch allen einen guten Rutsch und ein gesundes, beglückendes 2016!

 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Ein schönes Lied zwischendurch...

Aloha,
heute mal nur ein bisschen weltlicher Quatsch...  Ich bin ja seit einiger Zeit begeisterter Fan der Band OMNIA, vor allem von der CD Live on Earth. Inzwischen kann ich die praktisch auswendig, und nachdem ich es beim Mietwagen in Island hinbekam, meinen ipod anzustöpseln, kennt der gepeinigte Freund sie nun auch zur Genüge (Fazit: ich darfs nimmer spielen wenn er dabei ist, aber immerhin hab ich jetzt in meinem Kopf dauerhaft wunderschöne Isländische Landschaften mit den Liedern verknüpft!).

Darum mach ich jetzt hier auch ein wenig Werbung für diese PaganFolk-Band! Mein Lieblingslied ist Free, das in Deutschland auf dem youtube-Account von OMNIA leider von der GEMA gesperrt ist - hier könnt ihr es trotzdem hören!
Mein zweitliebstes Lied ist folgendes:


Sodele, ich hoffe ihr mögt die Musik... Wer noch einen lustigen Eindruck bekommen mag, wie die Band selbst so tickt, kann sich beim Video zu Earth Warrior mal direkt am Anfang die Warnung/Disclaimer durchlesen ...

Freitag, 27. November 2015

Deutschlands südlichste Menhiranlage - gleich bei mir um die Ecke! :O

Moin moin,
neulich stieß ich ganz zufällig darauf, dass gar nicht weit von unserem Feld eine Menhiranlage steht. Jawoll, eine echte (naja, gut, zwischenzeitlich von einem wütenden Bauern demolierte, nicht mehr ganz komplette, aber trotzdem) jungsteinzeitliche Menhiranlage direkt neben Darmstadt - die einzige dieser Art in Hessen und Süddeutschland (sonst gibts nur noch einzelne Steine)!
Heute wollte ich sowieso mal wieder aufs Feld, ein bisschen Salat und Petersilie besorgen und die letzten Pastinaken (siehe mein vorheriger Blogeintrag mit der Frage "Bis wann kann man eigentlich Erntedankfeste feiern?" - ich ernte immer noch!). Also bin ich ein Stück weiter geradelt und hab diese ominöse "Menhiranlage Hirtenwiese" gesucht. Das Wetter war ganz so, wie ich es liebe: kalt und neblig. Weil es nachts geschneit hatte, tropfte es um mich herum von den Bäumen.
 
Irgendwann trat ich aus dem Wald auf neblige Wiesen hinaus, und kurz darauf war die Menhiranlage auch schon ausgeschildert. Durch sie hindurch führt inzwischen ein Bach, in den doch tatsächlich gerade als ich vorbei kam ein Otter sprang und davonpaddelte (vermute ich zumindest, denn vom Biber angenagte Bäume konnte ich nirgends entdecken).
Der Weg zur Menhiranlage.
Bach und Brücke in der Anlage.
Ursprünglich floss der wohl etwas weiter entfernt, ebenso gab es früher auch den Wald noch nicht - erst in den 1920er Jahren wurde dieser angelegt, davor waren die Steine über eine weite Ebene gut sichtbar.
Es ist schon schade, was mit den Steinen passiert ist... Aufgestellt wurden sie irgendwann vor ca. 4.000 - 4.500 Jahren, vermutlich war es damals ein Steinkreis aus mindestens 14 Steinen. Von diesen sind heute gerade mal 7 übrig, die ein bisschen wie Kraut und Rüben stehen, jedenfalls nicht in einem Kreis.
Der größte Menhir.
Sechs der sieben (einer ist noch ganz links in Dunkelgrau),
der siebente befindet sich rechts auf der anderen Seite des Baches.
Wohin der Rest der Anlage verschwunden ist, weiß man nicht. Reinhard Möws schreibt auf seiner übrigens sehr empfehlenswerten Homepage über Großsteingräber und Megalithbauwerke, dass 1951 ein Bauer einen der Steine sprengte, der 34 m entfernt vom Bach auf der Wiese stand. Dass es sich dabei überhaupt um eine Menhiranlage handelt, wurde merkwürdigerweise erst 1967 festgestellt, also kann man es dem Bauern wohl nicht krumm nehmen. Auch nicht, dass man die meisten der verbliebenen Steine dann im Bach liegend vorfand...
In der Umgebung wurden bei Ausgrabungen übrigens Gegenstände aus Epochen von der Altsteinzeit (ca. 35.000 v.u.Z.) bis hin zur frühen Zeit der Kelten (vor 2.500 - 2.800 Jahren) gefunden.
Aussicht über die Wiese. Ein Kreis ist das wirklich nicht mehr, aber trotzdem hübsch.
Nunja, wir haben also eine Menhiranlage um die Ecke, die noch maximal die Hälfte ihrer Steine besitzt, von denen wohl keiner mehr weiß wo welcher mal stand, und durch die jetzt ein Bach fließt (in dem aber wenigstens Otter leben, oder irgendwas anderes braunes, dickes das schwimmen kann). Aber ich will nicht meckern - besser ein halber Steinkreis, der eher wie ne Schlangenlinie aussieht, als gar keiner. Und die Umbegung ist dort im Naturschutzgebiet wirklich unerwartet schön gewesen!

Mittwoch, 11. November 2015

Mein erster Blót in Gesellschaft :)

Moin ihr Lieben,
am Wochenende haben einige Leute von unserem und benachbarten Eldaring-Stammtischen ein kleines Winterblót im Odenwald gefeiert, über das ich euch heute berichten möchte. Vermutlich werdet ihr bekannte Elemente entdecken, auch wenn ihr von einem Asatru-Blót ansich noch nichts gehört habt.

Früher gab es Mitte/Ende Oktober ein Ernteblót, das Freyr gewidmet war und praktisch dem Samhain entsprach. Da wir dafür allerdings etwas spät dran waren und außer mir (die auf dem Feld immer noch fleißig diverse Rüben und Salat erntet) niemandem nach Ernte zumute war, feierten wir stattdessen die bald startende Wilde Jagd. Das ist ein Heer aus Seelen von Menschen, die vor ihrer Zeit gestorben sind, begleitet von Hunden und Pferden. Odin führt sie an, in manchen Gegenden ist auch die Percht oder Frau Holle dabei (die viel mehr kann als Betten ausschütteln, aber dazu vielleicht ein andermal mehr). Ursprünglich fand diese Wilde Jagd während der Rauhnächte statt, wurde aber durch das Aufkommen verschiedener christlicher Feiertage noch etwas ausgedehnt bzw. verteilt und jetzt, je nach Region, manchmal noch am Karfreitag erwartet oder bereits zu Sankt Martin am 11. November (also heute ). Manche meinen, dass der Laternenumzug zu Sankt Martin die nachgespielte Wilde Jagd ist.

Für mich persönlich ist die Wilde Jagd irgendwann um Jul, was ja auch die Zeit ist, zu der man das letzte Stück Ernte, also die "letzte Korngabe" auf dem Feld lassen sollte, damit Sleipnir sie knuspern kann. Würden die jetzt schon kommen, könnt ich ja die ganze Schwarzwurz, die Hälfte meiner Rettiche, zig Mairübchen und den Rosenkohl gar nicht mehr ernten! So gehts ja dann auch nicht! Was dieses Jahr noch dazu kam war, dass wir ein strahlendes Herbstwetter und 18° hatten, was nicht so wirklich das Gefühl aufbrachte als wenn Skaði gleich mit Frost und Schneechaos um die Ecke kommt. Wenigstens musste dann aber auch keiner beim Blót frieren.

Unser Blót-Altar mit Tyrs Speer und Handschuh, Räucherpott, Hammer, Opferbrot und -met, diversen Ahnenlichtern...
Hinten links in der Nacht verschwindet Jens, der ausgestopfte Rabe...
Bevor wir anfingen, wurde drei Mal ein Rufhorn geblasen und der Blótfrieden ausgerufen, da dieser auch das gesellige Beisammensein nach dem eigentlichen Ritual beinhaltet, also eigentlich das gesamte Treffen schützen soll. Außerdem liefen wir, begleitet von leisem Rasseln und Flöten, an den Rand unseres Blótplatzes und legten Eierlikör, Äpfel, Kürbiskerne usw. für das kleine Volk als Gastgeschenk ab. Schließlich traten wir alle nacheinander in den Kreis am Feuer ein, jeder einzeln begrüßt und beräuchert von der Torwächterin. Es folgten dann erstmal ein paar Erklärungen des Blót-Leiters, da es für einige von uns das erste Mal in Gemeinschaft oder auch überhaupt war, und eine schöne Erdung, begleitet von Trommelmusik.
Danach kam die Hammerhegung, also das Anrufen der Himmelsrichtungen mit dem Ritualhammer. Die Asen, Wanen, Elfen und Ahnen wurden eingeladen sowie nochmal einige Asen speziell wie z.B. Odin, da dieser ja für die Wilde Jagd zuständig ist. Jeder von uns hatte ein Ahnenlicht vor sich stehen, die alle an der Altarkerze entzündet wurden (einige Ahnen waren einem hohen Risiko ausgesetzt ausgeblasen zu werden, aber bis auf ein versehentlich umgeranntes Ahnenlicht lief alles gut).

Schließlich begann das Sumbel, der Umtrunk. Dabei wird ein Methorn drei Mal im Kreis herumgegeben. In der ersten Runde ruft jeder eine Gottheit an, kann dabei noch kurz erklären warum. Geschlossen wird mit "Heil [hier Gottheit der Wahl einfügen]", was von allen anderen im Kreis erwidert wird, und wahlweise trinkt man, schüttet etwas Met auf die Erde oder ins Feuer und gibt das Horn weiter.

Das Feuer, das im Laufe des Blóts ziemlich viel schluckte.
Schon frühzeitig vor dem Blót wurde mir ja verboten, Loki anzurufen, da er leider die Gemeinschaft immer irgendwie in zwei Lager teilt... Also wählte ich Freyja, die als Walküre ja auch zur Wilden Jagd passt. Was mich aber immens freute war, dass der letzten im Kreise einfach völlig wurst war, ob der Blót-Leiter bestimmte Anrufungen wollte oder nicht, und Loki mit einer sogar recht langen Rede anrief . Mehr oder weniger glücklich schallte dann das "Heil Loki" aus dem Kreise zurück, und Sumbelrunde 2 konnte beginnen. Diese ist für die Ahnen gedacht und wurde teilweise dann doch sehr emotional. Manch einer erzählte recht viel von bestimmten Ahnen, auf die er trank, andere wiederum dachten sich ihren Text und sagten am Ende nur das "Heil". Ich hab auf meine Uroma gesumbelt. Mir ist seit einigen Jahren bewusst, was für eine beachtenswerte Frau sie war, aber in diesem Moment kam nochmal hoch, was bei dem, was in unserer Familie so richtig, richtig im Argen lag und liegt damals durch sie eigentlich noch vergleichsweise "geradegebogen" wurde. Ahnen sind nicht immer leicht, und je mehr ich über die Geschichte meiner Familie lerne, desto schwerer tue ich mich mit einer bestimmten Person davon. Aber durch die Uroma wurde sicherlich ein noch viel größerer Schaden vermieden.
Frust, Kummer, Dankbarkeit und generelles Betretensein mischten sich etwas merkwürdig ineinander und erzeugten doch zumindest ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Kreis, wo sich teilweise noch ziemlich unbekannte Menschen einander öffneten. Da die meisten Asatru aber ziemliche Spaßvögel sind, dauerte es nicht mehr lange, bis wieder die ersten Lacher kamen... Sumbelrunde 3 jedenfalls bezieht sich auf allgemeines oder persönliche Sachen, was einem gerade in den Sinn kommt, was man sich vielleicht wünscht oder wofür man danken möchte. Viele von uns dankten für die tolle Gemeinschaft und das schöne Blót.

Zwischendrin wurde immer mal wieder gesungen, am Ende auch das "Herdfeuerlied", quasi die Hymne des Eldarings. Nach dem Sumbel wurde der Kreis aufgehoben und jeder bedankte sich bei jedem mit einem "tak for blót" und wir stellten die Ahnenkerzen auf den Altar. Danach gabs dann noch geselliges Zusammensein mit vielen leckeren mitgebrachten Speisen. Irgendwann bevor alle gingen wurde auch der Blótfrieden wieder aufgehoben.

Für den ersten Versuch einer "kultischen Handlung" gemeinsam mit anderen hat mir das Blót unglaublich gut gefallen, es war so inspirierend, verbindend, stärkend... Wir haben auch direkt einen Termin für das nächste Blót im Frühjahr ausgemacht.