Donnerstag, 15. September 2016

Wandern im wilden Schweden: Wälder, Moore, Küsten, Wind!

Hej,
heute wirds schwedisch . Da wir ja ohnehin auf Seeland unterwegs waren, lag ja ein Abstecher nach Schweden nahe. Was wir nicht wussten war, dass die Brücke so schweineteuer war (54 Euro pro Richtung! Zum Glück hatten wir Mitfahrer...). Aber es hat sich dennoch gelohnt, denn Schweden hat eine wirklich wunderschöne Natur und kann unterm Strich extrem günstig sein, wenn man es richtig anstellt.
Typische schwedische Landschaft im Südwesten.
Es herrscht in Schweden das Jedermannsrecht, d.h. bis auf in ausgewiesenen Naturschutzgebieten und auf Privateigentum ist das Zelten überall erlaubt, ebenso wie das Sammeln von Pflanzen, Brennholz, Beeren, Pilzen usw. (nur Bäume fällen darf man nicht, das stand extra dabei, Freund war etwas geknickt). Hinzu kommt, dass es verschiedene Fernwanderwege in Schweden gibt, beispielsweise den Skåneleden. Entlang dieser Wege sind in regelmäßigen Abständen von rund 17 km Lagerplätze eingerichtet, an denen meist eine Schutzhütte, Feuerplatz mit Holzvorrat und manchmal eine Toilette kostenlos zur Verfügung stehen. Entlang der Route gibt es auch immer mal wieder ausgeschilderte Trinkwasserquellen. Wer also entlang dieser Wege wandert oder einfach mit dem Auto zu den Lagerplätzen fährt, kann dort kostenlos und relativ bequem übernachten.
Ein Lagerplatz auf dem Skåneleden, hinter mir stand noch ein Verschlag mit Brennholz, links noch eine Toilette.
Wir waren mit dem Auto unterwegs, da ich ja auf dem Rückweg noch einen dienstlichen Termin in Odense in Dänemark hatte. Da brauchte ich dann leider doch so Krams wie hübsche aber vergleichsweise unfunktionale Schuhe, Blazer der im Rucksack zerknittern würde usw... Wer uns jetzt für verweichlicht hält, dem sei aber gesagt: wir sind die Etappe zwar nur mit Tagesgepäck und nicht mit vollständiger Ausrüstung gelaufen, dafür aber doppelt, sprich 17 km zum nächsten Lagerplatz und dann wieder zurück, wo eben das Auto stand, was insgesamt immerhin eine Tagesstrecke von 34 km war. Geht trotz teilweise schwerem Terrain recht gemütlich in 9 Stunden, wenn man an derartigen Gewaltmärschen Freude hat.
Was ich am Campen in der Natur so besonders mag ist der Abend, den man wirklich irgendwo in der Pampa verbringen kann ohne sich Gedanken zu machen wie man in der Dunkelheit noch den Berg runter/zurück zum Auto/nach Hause kommt, die Sterne und vor allem, dass man am nächsten Tag nach dem Aufwachen nur das Zelt öffnen muss und schon draußen ist An einem Abend hatten wir sogar einen richtig schönen Regenbogen als Entschädigung für die ständigen Wolkenbrüche.
Abend am Lagerplatz.
Aus dem Zelt gemachtes Foto. Campen ist toll.
Wanderweg? Gradeaus weiter!
Bifröst, die Regenbogenbrücke nach Asgard, ist in Schweden anscheinend mehrspurig ausgebaut... Nicht ganz so toll ausgebaut sind die Wanderwege, auch auf dem Skåneleden. Zwar zeigen bunte Punkte auf Steinen und an Bäumen den Weg, aber in Deutschland würde man denken, man habe sich verirrt und stapfe grad über einen Trampelpfad, wenn überhaupt. Sieht natürlich teilweise sehr schön aus, auf einer Etappe bestand der Weg aber aus 10 cm breiten, sehr glitschigen, überwucherten, schiefen Holzplanken über einem Moor.
Freund war ziemlich sauer, diese rutschige Schwebebalken-Aktion versaute ihm die Durchschnittsgeschwindigkeit gewaltig. Für nichtmal 2 km Glibberbrettstrecke waren wir eine unerhörte Stunde unterwegs! Mir war die Zeit Wurst, ich hab mir lieber angeschaut, wo wir lang kamen, und hab Freunds Geschwindigkeit weiter verringert indem ich gar stehengeblieben bin und Beeren gepflückt hab.
Was so am Wegesrand wächst...
Zum Beerenpflücken ereignete sich noch eine lustige Geschichte. Überall wuchsen diese kleinen roten Beeren, die oben im mittigen Bild abgebildet sind. Ich war mir aber nicht ganz sicher, ob sie essbar sind, und beschränkte mich drum auf die Brom- und Blaubeeren. Schließlich trafen wir aber drei alte Schweden, die riiiesige Körbe davon geerntet hatten. Einer von ihnen sprach Englisch, drückte uns eine Hand voll in die Hände und erzählte mir, dass die Beere im Schwedischen Lingon heißt. Ich erkannte sie dann wieder (ja klar, das sind doch Preiselbeeren!), wusste aber auch das englische Wort nicht... Da fiel mir ein, dass es dazu ja eine Limonade bei IKEA gibt, und dann wusste der alte Schwede, dass ich jetzt weiß welche Beere das ist. Einige Zeit später, als wir auf einer Waldstraße weiterwanderten, fuhren die drei alten Schweden dann nochmal an uns vorbei, hupten und winken wild .

Schweden sind wirklich ein entspanntes und freundliches Völkchen. Als wir einige Tage vorher an einer Küste langwanderten, drückte mir ein entgegenkommender Schwede plötzlich einen glitzernden Stein in die Hand mit den Worten "It's a lucky stone, keep it well!"

An einer anderen Küste, auf der Landzunge des Kullaberg Nationalparks entstand dann übrigens das nachfolgende Bild. Boah war das ein Sturm! Nebeneinanderstehend musste man schreien, um sich zu verständigen. Aber dafür gibts wenigstens mal eine ordentliche Brandung und schöne Wellen!
Strand am Kullaberg, und Antwort auf die leidige Frage ob ich denn auch mal im Wasser war...
Bei der salzigen Luft, dem Geräusch der Brandung und diesen tollen Wellen hab ich mich so richtig wohl gefühlt. Vor allem, weil man hier in den Klippen ein bisschen herumklettern konnte und es auch mehrere Grotten gab. Freund war kein Fan von Freeclimbing und blieb die meiste Zeit oben auf dem Pfad... In eine der Grotten, die Silbergrotte (Silvergrottan), kam er dann aber doch mit. Sie entstand künstlich, nachdem König Frederik II aus Dänemark 1561 etwas silbernes in den Steinen schimmern sah und daraufhin 15 m Tunnel in die Steilküste hat kloppen lassen. Silber fand man dann doch nicht - das Glitzern waren andere Mineralien. Aber vielleicht wartete ja am Ende des Ganges wenigstens ein Plüsch-ZONK auf die armen Arbeiter  (Kennt eigentlich noch jemand den ZONK?)
Aus der Silbergrotte.
Was gab es ansonsten noch zu sehen in Schweden? Ganz zusammenhanglos...
                                                                                                                                                                
...ein zutraulicher Bock, der uns auf einer Wanderung begegnete...
...ein Dolmen (schwedisch: Dösen) in Skegrie...
..Thorshämmer und Thor...
...und eine nachgebaute Trelleborg in Trelleborg!

Freitag, 9. September 2016

Lejre, das Paradies für Megalithfans

Moin moin,
dieses Jahr verwurste ich unseren Urlaub nicht in so viele Blogeinträge wie letztes Jahr bei Island, aber drei Stück werden es schon werden. Den Anfang macht in unchronologischer Reihenfolge, einfach weil ich es am schönsten fand, ein kurzer Überblick über zwei tolle Ausflugsziele in Lejre bei Dänemark. Lejre liegt etwas südlich von Roskilde bzw. westlich von Kopenhagen und wir wären fast ahnungslos durchgefahren, wenn ich nicht durch Zufall im Waschhäuschen eines Campingplatzes in einem Prospekt ein winzelig kleines Bild vom Ganggrab Øm Jættestue entdeckt hätte. Im Nachhinein muss ich sagen, das war die mit Abstand schönste Ecke von Dänemark, die wir gesehen haben!
Das malerische Lejre, Sitz der mythischen ersten dänischen Könige. Die Hügel im Hintergrund sind Grabhügel.
Wenn ich ein mythischer König wär hätt ich mich hier auch breit gemacht!
Lejre ist quasi die dänische Variante vom Brú na Bóinne, nur nicht ganz so alt. Nach dem altenglischen Heldenlied Beowulf hatte hier das erste dänische Königsgeschlecht der Skjoldunger ihren Sitz. Obwohl diese vermutlich nur eine Legende sind, geht man doch davon aus, dass hier einst ein Königssitz war, unter anderem wegen Überresten von großen Hallengebäuden. Lejre schien über oder in verschiedenen Zeiten sehr bedeutend gewesen zu sein; man findet dort unter anderem jungsteinzeitliche Grabanlagen und eisenzeitliche Hügelgräber und Schiffssetzungen...
Unser erster Stopp war das besagte Ganggrab Øm Jættestue. Leider ohne Anfahrtsbeschreibung, und unser Navi kannte es auch nicht. Aber Dänemark ist ja übersichtlich, und so fuhren wir einfach erstmal nach Øm und dort durch nach Nordwesten Richtung Gammel Lejre, und schwupps bretterte Freund auch schon direkt am Hinweisschild zum Grab vorbei... Das Schild ist auch schon der einzige Hinweis, den man von der Landstraße aus sieht, denn ein Touri-Hotspot scheint es noch nicht zu sein. Zwei Infotafeln wurden angebracht, ansonsten steht das Grab offen und ist einfach zugänglich.
Abgeschiedenes Ganggrab...
Eingang ins Grab.
Während wir um den Hügel stapften war Freund schon dabei sich zu beschweren, dass es keinen Eingang gäbe, aber ungefähr nach Osten fanden wir dann einen schmalen Spalt. Während wir damals bei Newgrange in Irland in Zehnergrüppchen und nur für kurze Zeit (und relativ viel Eintritt) ins Ganggrab hinein kamen, waren wir hier völlig allein und konnten uns so viel Zeit nehmen wie wir wollten. Oh, und Fotografieren im Inneren war hier auch nicht verboten! Dafür hab ich aber erstmal aufgeräumt und Kerzenstummel und leere Teelichter zusammengesammelt...
Im Ganggrab konnte man dann auch wieder aufrecht stehen.
Eine Taschenlampe wurde empfohlen, aber wir hatten Glück und die Sonne schien gerade hinein.
Øm Jættestue ist etwas mehr als 5.000 Jahre alt (also etwa wie Newgrange) und eines der größten und am besten erhaltenen Ganggräber in Dänemark. Entdeckt wurde es 1932 durch Zufall bei einer Pause während der Kartoffelernte.
Keine Sonnenwendausrichtung, aber trotzdem toll!
Um in das Grab zu gelangen, wurden damals die Decksteine des knapp 7 m langen Ganges entfernt, so dass der heutige "Graben" entstand, durch den man direkt an den Eingang kommt. Nach den Funden im Grab nimmt man an, dass dort über Generationen die Toten des Stammes bestattet wurden - der Leichnam musste also irgendwie kriechend durch diesen Gang in die Grabkammer mit den alten verwesenden Leichen transportiert werden. Man kann also annehmen, dass die Athmosphäre damals eine deutlich andere war als das sanfte Licht und die frische Luft heute...
Funde von Grabbeigaben aus Kupfer und Urnen an der Außenseite des Hügels lassen darauf schließen, dass das Grab bis etwa 700 v.u.Z., also etwa 2400 Jahre nach seiner Errichtung immer wieder für Bestattungen genutzt wurde. Als Bauingenieurin kann man von so einer Nutzungsdauer nur fasziniert sein!

Nach dem Ganggrab machten wir einen kleinen Zeitsprung und besuchten die eisenzeitlichen Schiffssetzungen und Hügelgräber bei Gammel Lejre. Schiffssetzungen sind keine tatsächlichen vergrabenen Schiffe, sondern Steinsetzungen in Form eines Bootes - quasi ovale Steinkreise. Sie befinden sich um Gräberfelder und stammen meist aus der Bronze- oder (Wikinger)Eisenzeit.
Reste der Schiffssetzung in Gammel Lejre, im Hintergrund ein Hügelgrab.
Es existieren heute noch Reste von zwei Schiffssetzungen in Gammel Lejre, die wir gefunden haben. Eine davon besteht aus nur noch 5 Steinen und ist beim besten Willen nicht mehr als schiffsförmig zu erkennen. Bei der anderen, früher fast 100 m langen konnte man oben vom Grabhügel aus betrachtet die frühere Form noch ganz gut nachvollziehen. Man vermutet, dass die Schiffssymbolik den Toten helfen sollte, in das Totenreich zu gelangen. Nicht nötig hatten das offenbar einige fürstliche Personen, die in vier umliegenden Grabhügeln bestattet wurden. Im Grabhügel Grydehøj von 650, den ihr auf dem obigen Bild seht, wurden Überreste einer verbrannten Person, geschmolzenes Gold und Bronze sowie Überreste diverser geopferter Tiere gefunden. Das fand ich im Vergleich zu dem umliegenden Gräberfeld besonders interessant, weil dort die Toten anscheinend unverbrannt bestattet wurden - leider gaben die Infoschilder keine genauere Datierung als "Eisenzeit" für die Schiffssetzungen an (für die Bestattungen darin überhaupt nicht), und das ist ja ein sehr dehnbarer Begriff (die ging in Dänemark etwa von 500 v.u.Z. bis 1050 n.u.Z.).
Schiffsssetzungssteine nochmal von näher dran. Zumindest wirkt das Mistwetter auf dem Foto hübsch.
Bis 1800 sollen es übrigens noch vier weitestgehend komplette Schiffssetzungen in Lejre gewesen sein. Freund und ich grübelten, wer denn da bitteschön die Steine weggemopst hat und wozu überhaupt - dicke Steine gibt es doch auf Seeland genug. Wirklich schade drum, aber vielleicht war das ja auch einfach wieder ein wütender Landwirt wie der, der damals den Steinkreis bei Darmstadt demoliert hat...

Freitag, 2. September 2016

Ein Heiligtum stürzt ins Meer...

Moin ihr Lieben,
aus dem (superschönen!) Schweden-Dänemark-Urlaub bin ich inzwischen zurück, und wie versprochen werde ich mich jetzt langsam ans Nachholen diverser Blogeinträge für euch machen. Momentan ist es ja noch recht sommerlich, daher kommt nun ein heidnischer Reisebericht zu Rügen, denn die Strand-Bilder wirken jetzt noch nicht ganz so deplatziert .

Letzten Dezember hatte ich schon rumüberlegt, dass ich eigentlich gern mal nach Rügen würde. Glückspilz wie ich bin ergab sich schon im Frühjahr eine Dienstreise dorthin, bei der ich ein verlängertes Wochenende drangehängt habe. Rügen ist nicht nur einfach eine Ostseeinsel! Durch die weißen Kreidefelsen, die langsam ins Meer bröckeln, wirkt das Wasser türkis wie im Mittelmeer.
Die Kalkfelsenküste nördlich von Sassnitz.
Die spektakuläre Steilküste hat aber auch ihren Preis: jedes Jahr bricht mehr davon ab, die Insel wird dadurch immer kleiner... Der dichte Buchenwald an der Küste, durch den man heute noch wandern kann, wird irgendwann nicht mehr da sein. Man kann genau beobachten, welche Bäume als nächstes in die Tiefe fallen werden, manche von ihnen stehen schon fast waagerecht im Hang oder haben kaum mehr Boden unter den Wurzeln. Im Schnitt werden es jedes Jahr 30 cm weniger, das aber unregelmäßig. Teilweise brechen gleich mehrere Meter am Stück weg.
Diese Bäume steht nicht mehr lange...
In diesem Sinne war Rügen wohl gerade der ideale Ort für meine Stimmung - der Boden bricht weg und alles vergeht. Nun ja, trotzdem war es sehr schön und die Ruhe tat mir gut - und wenn ich Ruhe meine, dann aber wirklich. Ich war in der Vorsaison da und habe während meiner Ausflüge teilweise stundenlang keine einzige Person zu Gesicht bekommmen. Ein Traum!

Nach der Wanderung entlang der Küste wollte ich dann doch wieder etwas festeren Boden unter den Füßen haben und bin einige Kilometer ins Inselinnere gelaufen, um verschiedene Hügelgräber und Dolmen aufzusuchen. Mithilfe der tollen Homepage von Reinhard hab ich mir eine Karte mit Koordinaten zusammengestellt. Schon von weitem war klar, dass ich die eigentlich gar nicht brauchte: auf der Grasebene waren die Hügel schon von weitem zu erkennen, etwa alle 100 Meter war ein kleiner Hubbel mit einigen alten, knorrigen Bäumen darauf und in den meisten Fällen Überresten des Großsteingrabes darunter.
Hügelgräberhöhen! Hier der Blick von einem Hügel auf den nächsten.
Großsteingrab bei Loch 8...
...für ein besonders schönes Großsteingrab bin ich quer über einen Golfplatz marschiert, in dessen Mitte der verdächtige Hubbel mit knorrigen Bäumen aufragte...

Rügen besitzt unglaublich viele dieser Großsteingräber, die vermutlich von den Jägern und Sammlern stammen, welche die Insel nach der letzten Eiszeit besiedelten. Einige von ihnen sind leider ebenfalls schon mitsamt der Küste ins Meer gestürzt. Andere haben noch einige Jahrhunderte vor sich, bis der Küstenabbruch sie erreichen wird. Gerade im Abstürzen befindet sich aber ein ganz besonderes Stück der Insel: die Tempelburg bzw. Jaromarsburg am Kap Arkona.
Das Gelände der ehemaligen Tempelburg, vom Wall aus gesehen.
Die Tempelburg bestand vermutlich vom 9. bis 12. Jahrhundert n.u.Z. und bestand aus zwei Wällen, die man auch heute noch sehen kann, sowie einer zusätzlichen Befestigung aus Holz. Im Inneren befand sich ein Tempel, bei dem man davon ausgeht, dass er das zentrale Heiligtum des slawischen Hauptgottes Svantovit darstellte. Eine aus einem Eichenstamm geschnitzte Statue von ihm zeigte seine vier Gesichter, mit denen er in alle Himmelsrichtungen blickte.
 
Weil es ja anscheinend einfach nicht möglich ist, Leute mal in Ruhe und mit ihrem Glauben leben zu lassen, kam (kurzgefasst) im 12. Jahrhundert der dänische König Waldemar I mit seinem Heer angeschippert, verbrannte den Tempel, zerhackte die Statue des Gottes und brachte die Christianisierung.

Inzwischen wird außerhalb des Tempelgrundes wieder ein kleiner heiliger Ort mit einer Statue für Svantovit eingerichtet, am Eingang steht bereits eine zweigesichtige Version. So ganz tot bekommen hat man den Gott und das Heiligtum eben doch nicht, doch auch hier ist das Ende durch den simplen Lauf der Natur wieder abzusehen. Geschätzt sind bereits 2/3 der ehemaligen Tempelburg abgebrochen. Das verbliebene Drittel ist stark gefährdet und darum für Besucher gesperrt. Es werden eilige Notgrabungen der Archäologen durchgeführt, bevor alles entgültig im Meer versinkt. Würdevoller und schöner kann das Ende eines heiligen Ortes doch gar nicht sein, oder?
Svantovit.
Hier seht ihr rechts die Abbruchkante der Tempelburg und den Rest eines Walls.
Auch das, was ich neben meinem "heidnischen Pflichtprogramm" noch angesehen habe, war irgendwie von Verfall und Vergehen geprägt, aber dennoch wunderschön: Die Ruinen des Schlosses Dwasieden. Das einst prachtvolle Schloss mit einem ausladenden Garten wurde 1877 erbaut. Nach dem Tod des Bauherrn wurde es verkauft und militärisch genutzt, 1948 dann von den sowjetischen Besatzern gesprengt. Es liegen jetzt Einzelteile im Wald herum, ein paar Säulen stehen noch auf Resten des Kellergewölbes. Man hört das Meer rauschen. Hier könnten Geister einen langsamen Walzer tanzen. Nicht mehr lange, und diese Ruinen liegen auch am Meeresgrund.
Die Überreste von Schloss Dwasieden am Meer.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Das Leben hat mich kurz aus der Bahn geworfen...

Ihr Lieben,

ich habe mich eine ganze Weile nicht mehr gemeldet. Eigentlich war mein letzter Beitrag der vom Jahresrückblick 2015, denn die beiden die danach kamen hatte ich schon über die Feiertage vorbereitet bzw. waren ja nur ein paar Fotos aus dem Archiv.

Was soll ich sagen, 2015 war mein bestes Jahr bislang. Irgendwie hat alles geklappt, ich hab viele neue tolle Leute getroffen, konnte mir ein bisschen was ansparen, hatte einen wunderschönen Urlaub in Island mit Freund. Negativ war, was ich damals geschrieben habe: "kranke Oma & dem Nervenzusammenbruch immer näher kommende Mama... Selbst wenn man es überhaupt nicht mehr für möglich hält, kann sich alles immer noch ein ganzes Stück weiter verschlechtern". Das hab ich Silvester geschrieben, kurz nachdem ich von meinen Eltern zurückgekommen bin. Die Oma sah inzwischen aus wie ein Skelett mit Haut drüber, und meine Mama war wirklich richtig, richtig am Ende. Man muss dazu sagen, dass das Verhältnis der beiden sehr schlecht war, grob zusammengefasst: die Oma hat meine Mama, also ihre Tochter, eigentlich nie geliebt, es aber hingekriegt sie zu ihrer hörigen Arbeitskraft zu machen. Als ich mich von meiner Mama verabschiedet habe hat sie geweint, weil die schöne Zeit mit mir wieder vorbei war und es ihr psychisch so geholfen hat, dass ich da war. Ich hab ihr gesagt sie soll nicht traurig sein, bald wird bestimmt alles besser. Übersetzt hieß das: Bald ist Oma tot. Dann bist du frei. Das wussten wir beide, aber keiner hat es so ausgesprochen.

Tja. Am Neujahrsabend habe ich meine Mama angerufen, sie hat sich gefreut dass ich trotz SMS mich extra nochmal melde, um ihr ein schönes neues Jahr zu wünschen. Bestimmt wird dieses Jahr alles besser, kann ja nur. Etwa viereinhalb Stunden später ist sie wegen einer Hirnblutung ins Koma gefallen und hat am nächsten Morgen gegen neun aufgehört zu atmen. Ich habe in der Nacht nichts mitbekommen und bin aufgewacht von einer Whatsappnachricht von meinem Pabba: "Mama ist gestorben."

Wie soll man auf sowas reagieren? Ich glaube, sowohl ich als auch mein Pabba und die Freundinnen meiner Mama waren die ersten Wochen einfach völlig im Schockzustand. Wie meine Oma reagiert hat weiß ich nicht. Als ich sie anrufen wollte hatte sie schon ein Beruhigungsmittel bekommen, schlief dann über 24 Stunden durch und starb einen Tag nach meiner Mama im Schlaf. Ging völlig unter.

Der letzte Sterbefall in unserer Familie ist schon ewig her, knapp 20 Jahre. Damals müsste ich so 12 oder 13 gewesen sein, es war der Lebensgefährte meiner Oma, den wir alle sehr mochten, aber eigentlich auch erst maximal 5 Jahre kannten. Er ist nach schwerer Krankheit gestorben, d.h. einerseits war man vorbereitet, andererseits empfand man es ja auch irgendwie als eine Erleichterung für ihn, dass er dann "gehen durfe". Obwohl ich eigentlich kein persönliches Problem mit dem Tod habe (ich meine immer, dem der tot ist dem ist es am egalsten, der merkt das ja eh nicht mehr) hatte ich also eigentlich überhaupt keine Ahnung davon, wie es tatsächlich ist, wenn man denn "trauert". Das Wort ansich ist schon irgendwie nicht treffend, bei mir war das eine Mischung aus  (chronologisch nach dem Auftreten geordnet):
  • Gefühl der Ohnmacht (Man muss doch irgendwas dagegen machen können! Egal was uns passiert, man kann heutzutage doch immer irgendwas machen. Am PC Mist gebaut -> rückgängig machen, pleite -> Kredit, unfruchtbar -> Adoption, ja sogar wenn ein Organ kaputt ist kann man es "einfach austauschen". Etwas mehr als die erste Woche bin ich total aufgekratzt durch die Wohnung getigert, weil mein Unterbewusstsein schrie "Irgendwas muss es geben! Du musst es finden!")
  • Verzweiflung (wenn man dem blöden Unterbewusstsein zurückschreien muss "Nein, kann ich nicht! Das geht nicht rückgängig!")
  • Wut (auf die Oma, die das Leben meiner Mama wirklich bis zum Schluss terrorisiert hat und dabei dann auch noch über 90 wurde)
  • Sorge (um meinen Pabba, der jetzt alleine in Berlin lebt, der ernährt sich doch jetzt nur noch von Fischbüchsen)
  • Gefühl der Einsamkeit (was mach ich denn jetzt, ich bin 31 und hab keine Mutter mehr -  nicht nur dass meine komplette Familie jetzt nur noch aus meinem Pabba besteht, meine Mama war immer der einzige Mensch, an den ich mich bei wirklich allem und immer wenden konnte. Sie kannte mich am besten, sie hat an einem einzigen Wort am Telefon gemerkt, wenn irgendwas nicht in Ordnung war, auch wenn ich versucht hab es zu vertuschen. Klar, Pabba und Freund sind auch für mich da - aber damit die merken dass es einem nicht gut geht muss man schon mit einem riesigen Schild und Megaphon auf sie zurennen)
  • evtl. eher zum Selbstschutz eingeredete Erleichterung (dass meine Mama bis auf Kopfschmerzen ein paar Tage davor keine Schmerzen hatte, dass es sie erwischt hat ohne dass sie es gemerkt hat... dass sie nicht alt und hilflos und voller Schmerzen wurde wie die Oma, das war ihre größte Angst)..
  • Dankbarkeit (so gnadenlos der Tod einem ein Loch ins Leben reißt, so zeigt er auch, wie besonders die Zeit ist, die man zusammen hatte, und wie schön es ist, dass man die anderen Leute noch hat. Sogar einfach dass man sich selbst hat.)
Vermutlich ist mindestens die Hälfte davon eigentlich irrelevant, hysterisch oder ungerecht, aber so sind Gefühle halt. Die kümmern sich nicht darum ob sie grade angebracht oder hilfreich sind. Die Wut schert sich einen Dreck um Pietät nur weil die Person auf die sie sich bezieht auch grade gestorben ist.

Jetzt sind fast 7 Monate vergangen. Die ersten zwei Monate waren am schlimmsten, auch wegen der Beerdigung und Mamas Geburtstag. Ende April kam dann nochmal eine schwere Zeit, weil ich da Geburtstag hatte. Kurz darauf war ich auf einem Seminar in Rügen und habe ein paar Tage für mich dran gehangen. Ganz alleine, am Meer. Danach hatte ich erstmals das Gefühl, dass ich es überstanden hätte, der Gefühlszustand schwankte so zwischen dem vorletzten und letzten Punkt. Fertig bin ich aber wohl noch lange nicht, wie ich letztes Wochenende bei einer Hochzeit feststellte. Mit ein bisschen Schnaps und einem zickigen Freund (hey, wegen dem Blödmann bin ich da überhaupt hingegangen! Er weiß wie furchtbar Hochzeiten für mich sind!) war ich da nämlich ganz schnell und brutal wieder zurück beim Punkt "Gefühl der Einsamkeit".

Dieses Jahr hab ich schon sehr viel dazugelernt. Die wichtigste Erkenntnis ist wohl, dass man schätzen sollte was man hat, und das nicht nur durch Abnicken wie bei einer Bauernweisheit, nein, wirklich ganz radikal! Der Mensch über dessen blöden Kommentar man sich grade tierisch ärgert könnte morgen tot sein (ja, inklusive meinem blöden Freund auf der Hochzeit - ich gebe zu, die Umsetzung dieser Erkenntnis ist zu solchen Zeitpunkten noch etwas schwierig ;) ).
Die neueste Erkenntnis ist (eigentlich, dass Bohnen aus der Schote pulen eine Arbeit für Idioten ist, wie ich heute Mittag festgestellt habe, aber die zählt jetzt nicht), dass ich mir weniger Sorgen drum machen sollte was andere denken oder erwarten. Hätte meine Mama öfter einfach nur getan was sie gewollt hätte anstatt sich nur nach anderen zu richten... Naja. Jedenfalls habe ich aus ihrem Leben geschlossen: Mag sein dass sich ab und an jemand ans Bein gepinkelt fühlt wenn du nicht nach seiner Pfeife tanzt, dann hast du halt einen Bekannten weniger. Aber wenn du dich für andere verbiegst, fällt das denen meist gar nicht auf - was du dir davon versprichst, nämlich Anerkennung oder Liebe, wirst du dadurch auch nicht bekommen, du machst dich nur selbst unglücklich.

So, hmm. Erst konnte ich meine Gedanken nicht ordnen, momentan liegt hier viel Arbeit an, noch vom Anfang des Jahres. Ich hoffe aber, dass ich demnächst wieder etwas mehr bloggen kann. Über Rügen möchte ich noch erzählen, nächste Woche fahren wir nach Schweden und Dänemark, da gibt es bestimmt auch viele Bloganlässe. Zwischendrin war ich noch in New York und im Herbst wollte ich eigentlich nochmal nach London (merkt man mir irgendwie an, dass ich mich krampfhaft abzulenken versuche?). Also, ich hab euch nicht vergessen. Ich war nur kurz aus der Bahn und bin jetzt hoffentlich langsam wieder drin.

Sonntag, 24. Januar 2016

Winterbäume

Moin moin,
heute mittag bin ich über eine Fotoblogaktion von Lotta liebt Blau gestoßen, es geht darin um Winterbäume. Der Winter kam in meiner Region dieses Jahr ja leider nicht so aus dem Knick. Obwohl es in den letzten Tagen wenigstens mal kalt wurde (dann aber richtig!) kam nur ein bisschen Schnee, der eigentlich auch sofort wieder weg war. Im Wald war um die Wintersonnenwende alles viel zu grün, trotzdem fehlt das Laub an den Bäumen, was dann insgesamt so aussah als wäre es Frühling und die Bäume wären über den Winter gestorben...

Also tröste ich mich gerade mit den wirklich wunderschönen Fotos, die in der Blogaktion schon verlinkt wurden, und krame selbst ein paar winterliche Bäume aus meinem Archiv für euch:
Letzten Winter auf dem Weg zur Arbeit...
Auf dem Feldberg im Taunus.
Letztes Jahr an einem superkalten Morgen am See.
Auf dem Altkönig im Taunus - der Schnee lag rund nen Meter hoch damals.
Ich wünsche euch allen einen schönen, winterlichen (und hoffentlich nicht nur matschig-kalten) Februar!

Freitag, 15. Januar 2016

Abgedrehte schamanische Reisen oder: wenn das Krafttier Paganfolk hört...

Aloha,
letztes Jahr auf der Ostara-Veranstaltung der Eldaringleute hab ich ja bei einer schamanischen Reise mein Krafttier gefunden. Nicht das, was ich erwartet hätte, aber wenn man es sich recht überlegt doch sehr passend: ein fluffeliges dickes Kaninchen.
Einige von uns waren damals etwas irritiert, was für merkwürdige Sachen man da sieht oder erlebt, und die liebe Ravena, die die Reise geleitet hat, hat uns erklärt, dass wilde Sachen, die absolut keinen Sinn machen und die man sich unmöglich ausgedacht haben könnte gerade der beste Anhaltspunkt dafür sind, dass man es tatsächlich richtig gemacht hat und die Reise nicht halbbewusst eingebildet war. Denn dann wäre ja etwas passiert, was man erwartet hätte.

Danach war ich noch drei oder vier mal bei dem Kaninchen, die Abgedrehtheit hielt sich noch in Grenzen (abgesehen von einer dreidimensionalen, sich ständig verändernden Weltkarte, Teekränzchen in Vanaheim und gelegentlichen Ausflügen ins Weltall...). Neulich aber hatte ich dann wirklich so einen "Was zur Hel..?"-Moment, den ich gern mit euch teile.

Hintergrund: seit einiger Zeit stehe ich vor einer Aufgabe, die erstmal ziemlich erschlagend wirkt und auf die ich eigentlich auch keine Lust habe. In einer früheren Reise zum Kaninchen stand diese Aufgabe in Form von einem riesigen Steinhaufen, über den man nicht mehr drüber gucken kann, mitten in meinem "Seelengarten". Na toll, jetzt verfolgt mich das sogar hier her. Aber das Kaninchen scheint praktisch veranlagt und meinte nur, ich soll genauer hinsehen - und ja, schön, alle Steine sind nur etwa faustgroß, man kann sie bewegen. Aber jeden einzeln. Für sich. Den ganzen verdammten Berg. Und was ich dann draus bauen soll, weiß ich auch noch nicht so ganz. Die Inspiration kommt dann wohl irgendwann beim Steinesortieren...

Im Dezember kam ich dann wieder. Mag sein dass es Einbildung war, aber der Haufen sah schon etwas kleiner aus, und davor lagen verschiedene Häufchen mit nach Farbe sortierten Steinen. Scheinbar hab ich also schonmal eine Struktur überlegt, die ersten Aufgaben gemeistert und Bausteine zurecht gelegt. Jetzt "nur noch" so weitermachen. Tja, da fing ich dann an zu maulen. Diese Arbeit ist so öde und langweilig, warum soll ich das überhaupt machen? Mir fehlt die Motivation und so weiter. Und dieser blöde Haufen, die ganze Aufgabe wird doch am Ende eh nix ausmachen und ist eigentlich auch gar nicht das, was ich in meinem Leben so vor habe (wenn man es ganz klischeehaft runterbrechen würde möchte ich einfach nur um Bäume tanzen, mein eigenes Essen anbauen, Schafe knuddeln und den Regenwald retten, oder die Wale, oder irgend sowas). Das Kaninchen, geduldig wie immer, meinte nur mal wieder "Schau genauer hin" und zeigte auf den dämlichen Haufen. Etwa auf Brusthöhe lag ein Stein, etwas größer und keilförmig, der nicht zu den anderen passte. "Das ist deine Motivation!" Aha. Dankeschön.

Dann sah ich aber, dass auf dem Stein eine Art rundes Ornament eingraviert war, das ich nicht ganz erkennen konnte. Es sah verschnörkelt aus, aber verschwamm immer wieder wenn man genau hinsehen wollte. Ich habs eine Weile lang versucht und dann wieder mein armes Kaninchen ratlos angeguckt (Krafttiere brauchen manchmal echt Nerven glaub ich...). Es meinte, es sei ganz einfach, denn ich kenne das Symbol schon. Also gut, nochmal draufgeguckt mit dem Gedanken "du musst es nur wiedererkennen", und *PLOPP*:  das Logo der Band OMNIA. Vollkommen bescheuert, was hat das auf einem Stein in meinem Seelengarten verloren? Ist das Kaninchen auch Fan der Band? Oder bilde ich mir das Symbol grade ein? Das Kaninchen fragte mich, was ich damit denn verbinden würde. Naja, ziemlich genau das, was ich in meinem Leben so vor hatte (siehe weiter oben). Und "Earth Warrior", obwohl es nicht mein Lieblingslied von der Band ist. Das Kaninchen stellt beruhigt fest, dass der Groschen endlich gefallen ist: "Genau - und wenn du einer sein willst, ist das deine Waffe!" Und wo ich so wieder auf den Stein blicke fällt mir auf, dass die Keilform grob an einen Dolch erinnert. Und ja, meine Aufgabe hat ~irgendwie~ mit Umweltschutz zu tun. Ist vielleicht einer von Millionen kleinen Schritten in Richtung einer besseren Welt. Nur hielt ich den Impact für so verschwindend gering, dachte es geht sowieso unter. Aber auch wenn ich nicht die ganze Schlacht gewinnen kann mit meinem Dolch, dann ist das trotzdem ein Teil vom Ganzen, den ich, und in dieser Form auch nur ich leisten kann.

Ja, und was mach ich jetzt mit dem OMNIA-Steinkeil-Dolch? Die ganze Zeit in der Hand halten will ich ihn ja nicht, wieder hinlegen ist auch blöd, da ist er im Weg. Als wär der ganze Besuch nicht schon irgendwie total abgedreht zückt das Kaninchen aus dem Nix ein Podest, auf dem man den Stein elegant präsentieren kann. Wir befestigen ihn in der passender Halterung und tanzen dann gemeinsam drum herum...


Tja, letztenendes war es dann doch so einfach... Man sieht anscheinend manchmal, auch bei schamanischen Reisen, den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil man vielleicht alles viel zu kompliziert oder opulent-mystisch erwartet. Dabei kann das Krafttier auch einfach ganz profane Alltagssymbole verwenden (würde mich interessieren, ob bei jemandem im Seelengarten schonmal eine McDoof-Filiale aufgemacht hat oder ähnliches...).

Wer selbst mal eine Schamanische Reise ausprobieren will und nicht die Möglichkeit hat, das mit einer erfahrenen Person zu machen, die die Meditation führt, dem kann ich zumindest zwei Bücher empfehlen, die ich mir im Nachgang meiner ersten Reise besorgt habe (nachdem ich eine Stunde den Sessel in unserer spirituellen Buchhandlung blockiert und wirklich jedes dort vorhandene Buch zu dem Thema durchgeblättert hab):
  • Sandra Ingerman: Die schamanische Reise: Ein spiritueller Weg zu sich selbst
    Obwohl es recht dünn ist mit sehr detaillierten Infos, auch für das generelle Drumherum. Hinweise was man versuchen kann, wenn irgendwas nicht klappt. Mit CD und für die erste Reise auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Stefan Limmer: Schamanische Seelenreisen
    Ebenfalls mit CD. Enthält viele Übungen, auch für den Alltag. Hinsichtlich Vorbereitung und Drumherum nicht ganz so ausführlich, dafür werden hier noch verschiedene Archetypen beschrieben, die man gemeinsam mit dem Krafttier besuchen kann, was ich vor allem für weitere Reisen hilfreich finde (auch wenn die natürlich bei jedem anders aussehen können - mein Schmied hat z.B. keinen Hammer, sondern ist eine webende alte Frau, das Prinzip ist aber das gleiche). Man bekommt Ideen, was man "drüben" so unternehmen kann bzw. bei welchen Situationen sich eine Reise anbietet. Außerdem erwähnenswert ist die wirklich superschöne Aufmachung des Buches.
Als Hintergrundtrommeln nutze ich übrigens inzwischen nicht mehr die geführten Stücke auf den CDs, sondern welche von James Vermonts toller Homepage Nebeltrommel.at. Für den Einstieg würde ich aber ein Stück mit Erklärung zumindest am Anfang und Ende empfehlen, dazu gibt es auf youtube auch verschiedene.
 
Und: Geduld mitbringen. Es ist zwar recht einfach, klappt aber trotzdem nicht immer sofort. Entspannen und irgendwann einfach nochmal versuchen.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahresrückblick 2015

Aloha,
in meinen alten Blogs (bevor ich mich nur noch auf den hier beschränkt habe), hab ich am Ende jedes Jahres einen kleinen Jahresrückblick gemacht, den ich hier gern weiterführen würde. Auch wenns vielleicht nicht ganz so "heidnisch" ist.


Das war toll:
- Ich hab über den Eldaring viele liebe Menschen kennengelernt und auch das erste Blót in Gesellschaft gefeiert!
- Auch wenn man sich über Kollegen aufregt und vieles im Projekt einfach vollkommen bekloppt läuft: das Promovieren macht Spaß. Ich kann arbeiten wo und wann ich will, und sofern ich es sinnvoll begründen kann, kann ich auch meine Forschung in selbst ausgesuchte Richtungen lenken. Außerdem gibts oft Dienstreisen!

Das war doof:
- kranke Oma & dem Nervenzusammenbruch immer näher kommende Mama... Selbst wenn man es überhaupt nicht mehr für möglich hält, kann sich alles immer noch ein ganzes Stück weiter verschlechtern
- zwei gute Freunde von uns sind in eine andere Stadt umgezogen
- extreme Trockenheit und Kartoffelkäfer auf dem Feld (ok, die Kartoffelkäfer fanden mich bestimmt auch ziemlich doof, denn ich hab sie und ihre Eier zerquetscht )

Das kam dazu: 
- 36 m² Acker
- blaue Flecken vom Poledance (inzwischen zum Glück deutlich weniger)
- ganz liebe Leute vom Eldaring-Stammtisch und das Ostara-Seminar
- Poledance-Stange im Wohnzimmer (sieht jetzt ein bisschen aus wie in der U-Bahn...)
- Geld... Ja wirklich. Nachdem ich jahrelang fast von Luft und Liebe leben musste, war ich direkt ein bisschen überfordert, dass ich jetzt plötzlich welches habe. Die Gewohnheit ist schlecht abzulegen, ich stand beim IKEA vor den leckeren Schoko-Haferkeksen und erwägte wie üblich, ob ich eine Packung mitnehme oder nicht, denn sie sind ja schon ziemlich "teuer" (3,99 für nen Schuhkarton). Bis mir auffiel dass ich ja jetzt deutlich mehr verdiene und direkt zwei Kartons genommen habe (hach ist das schön...).

Das gab es nicht mehr:
- Silat... nachdem mein Trainer erst lange Zeit Probleme mit verschiedensten Körperteilen hatte, ist er jetzt auf Weltreise aufgebrochen. Irgendwie verlief dann alles im Sande, aber mit Poledance, Yoga und Feld bin ich eigentlich auch gut ausgelastet.
- im Gegensatz zum letzten Jahr keine Erdbeben (zumindest keine, die mir aufgefallen wären)

Was ich gelernt hab:
- mein Krafttier ist ein weißes, flauschiges, dickes Kaninchen
- dass die Motivation der Umweltpolitik derzeit leider nicht ernsthaft die Verminderung von Umweltbelastungen ist, sondern auch wieder nur wirtschaftliches Interesse - bloß hübsch verpackt in schwammigen Wörtern
- wie man diverse Rüben und anderes vom Feld zubereitet und dass das Zeug aus eigenem Anbau unglaublich lecker ist

Was ich geschafft hab:
- dass der liebe James einige meiner Fotos in seinem Kessel-Magazin abdruckt
- aufm Kopp ohne Hände an einer Stange zu hängen 
- verschiedene Lost Places zu erkunden
- eine schamanische Rassel selbst zu bauen
- einäugig den Halloween-Kostümwettbewerb in der Disco mit dem absolut niedrigsten Niveau der Stadt zu gewinnen, plus ein Jahr freien Eintritt dort 

Reisen & Trips:
Neben einer unvergesslichen Reise nach Island noch die üblichen Verdächtigen Berlin & Bad Wildungen, außerdem kurze Reisen nach München, Zeitz, an die Externsteine und die Loreley, beruflich nach Osnabrück, Tutzing, Bad Pyrmont, Wien und Bratislava, Dortmund. Joah, dieses Jahr war ich unterwegs...

Grundnahrungsmittel:
Zeug vom Feld! Vor allem diverse Salate, Kartoffeln, Pastinaken, Rote Beete, Möhren, riesige Kürbisse, Kohl, Lauch und diverse andere... Insgesamt hab ich mich extrem gesund ernährt und über etwa zwei Monate mussten wir außer Brot und Frischkäse auch gar nix mehr einkaufen, weil das Feld genug für und beide plus hungernde Studenten-Freunde abgeworfen hat.

Im Gedächtnis bleibende Momente:
- Käferquetschen
- in einem verlassenen, zerfallenden alten Ballsaal in einem Lichtstrahl herumtanzender, goldener Staub, drum herum Stille, die alles verschluckt, und dann eine Melodie auf dem Klavier, das dort noch immer steht
- ganz viele wunderschöne Stellen von Island, und den Buckelwal-Buckel...  

Wünsche und Pläne für 2016:
- außer den notwendigen Dingen (Essen, mein bissel Kosmetikzeug, Geschenke) nix kaufen. Bin gespannt....
- den Hauptteil meiner Diss fertig bekommen
- mich nicht mehr über dumme Leute aufregen, sondern Agglomerationspunkte solcher Personen einfach meiden
 




Nicht vergessen, dass ihr heute Nacht keine Wäsche auf der Leine haben solltet: der mächtige Odin mit seiner furchteinflößenden Wilden Jagd verheddert sich sonst drin und wird sauer.
Ansonsten wünsch ich euch allen einen guten Rutsch und ein gesundes, beglückendes 2016!